Ja Ja – Der Mond – wunderbar

Zitat aus „Man spricht deutsch“

 

Während FLITZER letzten Freitagvormittag den Beitrag zum Ferienstart verfasste, das Mittagessen für ihre Liebsten vorbereitete und sich darauf freute, mit ihnen ins Wochenende und damit in die Ferien zu starten, schaute ich zunehmend hektisch auf die Uhr. Die Rechnung war einfach. 11.20 Uhr Schulschluss – da ja letzter Schultag – Busfahrt ca. 30 Minuten plus fünf Minuten Fußweg. Kurz vor 12 Uhr würden die ersten aus meiner Herde vor der Haustür stehen. Ziel war es, so viel früher aus der Arbeit raus zu kommen, um etwas zu Essen auf den Tisch bringen zu können. Im besten Fall noch der Sprung unter die Dusche, ja das wäre wunderbar – gewesen.

Stattdessen kam ich um 12.10 Uhr zu Hause an, verschwitzt und abgehetzt. Völlig umsonst, da unsere Schulkinder schon um 10.30 Uhr aus hatten und deshalb längst daheim waren. Sich, ich weiß nicht was, aber angeblich Leckeres, selbst gekocht hatten und bereits in ihrer „Teenagerferienbubble“ verschwunden waren. Das ist, als würden sie Schutzzauber um sich herum ausführen, wie Hermine aus Harry Potter, oder für die älteren Semester unter uns, wie Alice im Wunderland, wenn sie ihre reale Welt verlässt.

Das Ergebnis ist, dass nichts zu ihnen durchdringt, und auch von ihnen nichts nach draußen. Um es auf den Punkt zu bringen, ich war hier völlig fehl am Platz. Die Lösung – ich holte mir bei Glitzer eine Tasse Kaffee und genoss die halbe Stunde Frauengespräch, bis mein Mann ebenfalls auftauchte. Dieser wurde von seinen Töchtern ebenso herzlich empfangen wie ich. Und machte sich auf die Suche nach mir – war ja auch nicht all zu schwierig. Frauengespräch beendet und auf irgendwann vertragt. Trotzdem war es schön, dass mich wenigstens mein Mann vermisste. Was auch am noch nicht ansatzweise existierenden Mittagessen gelegen haben könnte.

Warum ich dir das erzähle? Weil die Urlaubszeit, wie auch Weihnachten oder andere Tage im Jahreskreis eine Erwartung wecken, die sie doch, wenn man ehrlich ist, fast nicht erfüllen können. Dass das nicht nur bei mir so ist, zeigten die im Laufe des Nachmittags eintreffenden Nachrichten von wirklich zahlreichen Freundinnen. Von „Sechs Wochen – 😱“ bis, „Ich muss hier weg!😩“ war alles dabei. Deshalb trat FLITZERS  Vorschlag, die Mondfinsternis in trauter Damenrunde mitzuerleben, offene Türen ein.

Wir wollten sie vom Wasser aus genießen. Schließlich wurde uns in den vorangegangenen Tagen in den Medien mehr als nahegelegt, dieses einmalige Naturschauspiel auf keinen Fall zu verpassen. Die längste Mondfinsternis in diesem Jahrtausend. Mit Blutmond, Mars und der ISS. Also Spektakel mal vier. Das auch noch vom Wasser aus, würde uns sicherlich mit Energie für die nächsten Jahre versorgen. Das Vollmondlicht verspricht jugendliche Haut, die frische Luft sowieso.

So kam es, dass uns einer der besten Ehemänner, die wir  haben, am frühen Abend in der Wildnis aussetzte. Mit zwei Booten und leichtem Proviant für die Reise. Das Abendrot war bei unserer Ankunft am Bootseinstieg so bezaubernd, dass wir beinahe vergessen hätten, die Paddel mit aus dem Hänger zu nehmen, was dann doch leichte Probleme mit sich gebracht hätte. Aber zum Glück hatten wir wenigstens eine Freundin dabei, die mitdachte.
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Ausführlich wies uns der Ehemann des Abends darauf hin, dass wir ihn erst dann zum Abholen anrufen sollten, wenn wir wirklich, also wirklich fertig wären mit unserem Ausflug. Nicht, wenn wir am Ziel ankommen, oder die Boote verlassen, sondern wenn wir mit Sack und Pack am Parkplatz bereit stehen. Ich weiß nicht, ob du das kennst, wenn man denkt, der Abend wäre zu Ende und dann gibt es doch noch etwas zu besprechen, oder die Flasche Sekt ist noch nicht leer, oder man entschließt sich doch nochmal baden zu gehen oder sich am Kiosk etwas zu Essen zu bestellen. Also uns ist das in der Vergangenheit schon öfter so gegangen und irgendwie fanden das unsere Fahrer nicht immer so lustig wie wir. Ich glaube, Männer haben da eine andere Vorstellung von fertig. Das ist vermutlich genetisch bedingt. Aber was soll’s. Schließlich sind wir auf die Gunst unserer Fahrer angewiesen und wollen es uns mit ihnen nicht verscherzen. Großes Frauenehrenwort, wir melden uns erst gaaaanz am Ende unseres Ausfluges.

 

Das Einsteigen in die Boote erwies sich an diesem Abend viel schwieriger als sonst. Woran das lag, weiß ich nicht. Also das Flitzerglitzerboot landete noch recht glücklich mit Besatzung im Wasser. Wir hatten auch tatkräftige Hilfe unserer Mitreisenden. Wir waren ihnen allerdings vom Wasser aus nur wenig Hilfe. Und so kam es, dass sie bereits beim Besteigen ihres Bootes nur knapp einem Bad entgangen sind. „Stella Maris“ sei Lob und Dank.

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Während die Sonne unter- und der Mond aufging, paddelten wir los Richtung heimatlichem Hafen. Da die Altmühl der gefälleärmste Fluss in Bayern und damit einer der am langsam fließendsten ist, muss wirklich aktiv gepaddelt werden. Treiben lassen geht nicht wirklich. Allerdings können dadurch auch gut Pausen auf dem Wasser eingelegt werden. Um sich auszutauschen, einen kleinen Imbiss einzunehmen, Fotos zu schießen oder  ein Nickerchen zu machen. Letzteres war heute allerdings nicht geplant. Schließlich wollten wir nichts vom großen Event verpassen.

Entlang der schönsten Seerosen und beeindruckensten Wassergewächse, umschwirrt von Libellen und bestaunt von weidenden Kühen schipperten wir geradezu ehrfürchtig vor uns hin. Mit der Zeit waren immer weniger Geräusche zu hören. Die Stechmücken legten sich, nachdem sie uns ja sowas von verstochen hatten, schlafen, die Vögel hörten auf zu zwitschern. Hin und wieder schnalzte ein Fisch an die Wasseroberfläche, um sich einen abendlichen Snack zu genehmigen. Ansonsten himmlische Ruhe. Obwohl der Mond aufgegangen war, hielt sich unsere Begeisterung in Grenzen. Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte, aber außer, dass er DA war, machte er irgendwie nichts. Er war nur dunkler als sonst, was sich auch die ganze Dauer der Fahrt nicht änderte. Darauf, dass der helle Punkt rechts unterhalb des Mondes der Mars sein sollte, konnten wir uns nicht einigen. Eine unserer Matrosinnen behauptete felsenfest, dass der Mars grün leuchten müsste, was diesen leuchtenden Punkt als Mars disqualifizierte. Die ISS konnten wir auch nicht entdecken, allerdings bestimmten wir irgendwann einen blinkenden, sich bewegenden Punkt als das gesuchte Objekt, um den Forscherfrieden in unserer Gruppe wieder herzustellen. Und was das mit dem Blutmond sollte? Ich werde das mal bei Gelegenheit googeln. Also blutig sah der für uns nicht wirklich aus.

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Blutmond ohne Filter, so wie wir ihn genießen durften.
Als Resume lässt sich sagen: Es war ein wundervoller Abend. Wir hatten wirklich viel Tolles in der Natur entdeckt. Waren die abendliche Attraktion für eine wiederkäuende Kuh.

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Hatten einen schönen Damenausflug mit mehr oder weniger tiefgründigen Gesprächen. Durften drei überaus verständnisvolle Angler treffen, die uns das Kreuzen ihrer Fischgründe nicht übel nahmen. Und wir können für den Rest unseres Lebens allen erzählen, dass wir das Jahrhundertereignis Mondfinsternis Plus aus erster Reihe miterlebt hatten. Am Ziel angekommen, setzten wir uns gemeinsam auf eine Bank und leerten in aller Ruhe unsere Flaschen, hörten Radfahrer hinter der Hecke an uns vorbeiradeln, Partygänger am naheliegenden Kiosk lachen. Es war dann doch irgendwie magisch, wie sich der Schatten langsam vom Mond wegschob und eine kleine leuchtende Sichel zum Vorschein kam. Erst ganz zaghaft und dann immer selbstsicherer. Als möchte sie sagen: „Jetzt ist aber gut, Zeit für das echte Leben.“ Also riefen wir unseren Fahrer an, verstauten die Boote und beendeten zufrieden unseren Damenausflug.

Das letzte Stück ging ich alleine zu Fuß nach Hause. Und bemerkte, wie schön doch dieser jetzt wieder hell leuchtende Mond war. Für mich viel schöner als der vom Schatten verdeckte.
Wunderschöner Vollmond leuchtend hell mit Mars
Seitdem sehe ich den Mond wieder mit anderen Augen. Komisch, dass ich ein außergewöhnliches Ereignis brauche, um das Alltägliche wieder bewusst wahrzunehmen. Aber immerhin hat es mir, bzw. uns einen schönen Abend beschert. Nie wären wir doch auf die Idee gekommen, eine nächtliche Bootstour zu unternehmen, wenn uns nicht das Außergewöhnliche gereizt hätte. Dass es dann doch nicht so beeindruckend war, was soll’s. In Erinnerung bleibt mir sicherlich die lustige, aber auch beeindruckende nächtliche Paddeltour. Und wenn ich mir im Internet die Bilder dieser Mondfinsternis ansehe, rede ich mir halt einfach ein, dass sie in Wirklichkeit auch so beeindruckend gewesen war. So wie man die Erinnerung an die eigene Schulzeit, oder was weiß ich nicht alles, so lange schön denkt, bis man es selbst glaubt. Das ist das Schöne an Erinnerungen. Oft bleibt nur das, was wirklich des Erinnerns wert ist. Nämlich die schönen Dinge. Gut so, den ganzen anderen Müll braucht doch kein Mensch.

 

Liebe Grüße und auf schöne Erinnerungen, Deine Glitzer

 

  1. Schön, dass ihr zusammen unterwegs gewesen seit. Die liebe Kat. und ich wohnen einfach zu weit auseinander um spontan sowas machen zu können.
    Dabei paddelt sie doch so gern und auch ein ein eigenes Boot.. seufz..
    Das die Vergangenheit sich in der Erinnerung „verschönt“ kommt vom älter werden..macht aber nichts, oder ? Mir ist es auch bekannt 🙂
    schönen Urlaub allerseits
    es grüsst das Nordlicht
    S.

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