Tagebuchauszug

Di 31.07.18
Ich spiele Urlaub

Es ist brütend heiß draußen. Zwar muss ich noch täglich auf die Arbeit, doch sobald ich daheim bin, tu ich einfach so, als hätte ich schon Urlaub. Um mich herum haben ja bereits alle Ferien. Wir genießen unseren Garten, den Badebottich und die Unmengen an Eisvorrat im Gefrierschrank. Das kommt meiner Figur nicht gerade entgegen, aber für dieses Problem habe ich mir aus der Bücherei eine Abnehm- CD ausgeliehen. Angeblich sollen nach dem Anhören die Pfunde wie von selbst purzeln. Toll, das wird ein Spitzensommer!

Fr 03.08.18
Die Spuren sind nicht mehr zu leugnen.

Langsam aber sicher macht sich mein „Ich tu einfach so, als hätte ich Urlaub“ bemerkbar. Den Haushalt hab ich nicht mehr ganz so im Griff wie gewohnt. Normalerweise erledige ich die Hausarbeit überwiegend vormittags, wenn alle aus dem Haus sind, und gehe gegen Mittag auf die Arbeit. Da das in den Ferien nicht nötig ist, verlasse ich das Haus bevor der Rest meiner Familie aufwacht und komme gerade rechtzeitig nach Hause, um das Mittagessen vorzubereiten. Danach läuft nicht mehr wirklich viel. Aber schließlich sind ja Ferien, da muss nicht alles so nach Plan gehen. Denk ich mir halt so.

So 05.08.18
Ich lieg nicht ganz so im Zeitplan.

Das Wochenende wollte ich nutzen, um zuhause klar Schiff zu machen. So richtig Großputz, damit ich die Woche über Zeit für die Urlaubsvorbereitungen habe. Leider verließ mich zuerst ein Teil meiner Sprösslinge wie die Ratten das sinkende Schiff, um mir nicht helfen zu müssen, und danach mein Enthusiasmus, die Aktion alleine durchzuziehen. Also nicht, dass ich NICHTS gemacht hätte, aber welches Ergebnis bewirken vier Stunden Putzaktion von einer mehr als demotivierten Mama, wenn bereits eine Woche lang vier Kinder Ferien hatten?  Und Mama und Papa so tun als ob? Aber immerhin hab ich die Wäsche noch einigermaßen im Griff. Der Kioskbesuch hat meine Diätpläne allerdings abermals jäh zunichte gemacht. Um mir die Abnehm- CD anzuhören, hatte ich auch noch keine Zeit. So ein Mist.

Di 07.08.18
Mir wird die Zeit knapp.

Die drei Wochen Urlaub, die verheißungsvoll vor mir liegen, sind komplett verplant. Bereits an meinem letzten Arbeitstag, dem kommenden Freitag, geht es gemeinsam mit Freunden los ins alljährliche Bootfahr-Zeltplatz-Wochenende. Je nach Wetterlage und allgemeinem Befinden geht dieses Wochenende auch mal bis Mittwoch durch. Ist das Lager erst einmal aufgeschlagen, das Revier abgesteckt, das Feuer entzündet, sind die folgenden Tage ein Kinderspiel.
Lagerfeuer
Aber bis dahin….. Ja, bis dahin ist so einiges zu organisieren. Die treue Flitzerglitzer – Leserin weiß, dass hierbei die gewissenhaft geführten, abgehefteten und zuverlässig ergänzten Listen von Flitzer eine wichtige Rolle spielen. (Neulinge können hier genaueres dazu erfahren – Ohne Plan läuft gar nix!)

Nachdem im Laufe des letzten Jahres, durch geradezu halsbrecherische Aktionen auf Bootsrutschen, einige unserer Boote leichte Schäden davon getragen haben, müssen diese noch auf Vordermann gebracht werden. Zelte, Schlafsäcke, Luftbetten und Co. sollten ich noch auf eventuelle Schadstellen geprüfen. Zu Essen wird es wohl die in den letzten Jahren erprobten und bewährten Gerichte geben. Hauptbestandteil Fleisch, mit wechselnden Beilagen. Und Flaschengemüse!
Flaschengemüse am Rand der Feuerstelle
Aber eingekauft werden muss vorab. Erst einmal im Wochenende angekommen, möchte niemand mehr das Lager verlassen. Deshalb muss gewissenhaft besorgt und vorbereitet werden. Aber ich hasse einkaufen!

Dieses Jahr stehe ich vor der Herausforderung, dass ich zwischen Zeltplatzwochenende und Jahresurlaub am Meer maximal zwei Tage habe, um die Wäsche in den Griff zu bekommen. Das erzeugt mir, wie ich leider zugeben muss, ein bisschen Bauchschmerzen. Aber der Reihe nach. Alles Schritt für Schritt. Wichtig ist, zum Zelten nichts einzupacken, was wir ganz sicher für den darauffolgenden Sommerurlaub benötigen. So können die Nacharbeiten notfalls auch auf nach dem Urlaub verschoben werden. Ja, so der Plan.

Do 09.08.18
Langsam wird´s eng.

Das Überholen der Boote hat aus zeitlichen Gründen nicht mehr geklappt. Das wird jetzt während unseres Bootfahrwochenendes erledigt werden müssen. Falls das auch nichts wird, was soll’s. Ich habe dieses Jahr schon eine Bootfahrt hinter mir, während der ich kontinuierlich Wasser aus dem Heck schöpfen musste. War halb so wild, und die Erfrischung inklusive. Das Packen der Klamotten hab ich den Kindern überlassen. Wie übrigens im letzten Jahr auch. Das Ergebnis wird sein, dass vom Prinzessinnenkleid bis zu den Winterstiefeln wohl wieder allerlei Überraschungen auf mich warten werden. Unterwäsche wird bei solchen Ausflügen sowieso überbewertet. Wenn das Wetter hält, werden die Kids sowieso den ganzen Tag im Badegewand herumlaufen.

Wenn mich mein Erinnerungsvermögen nicht täuscht, hatte unser Luftbett ein noch nicht näher lokalisiertes Leck und muss täglich neu aufgepumpt werden. Also noch schnell die Luftpumpe mit ins Auto. Unter uns gesagt ist das für mich nur halb so wild. Denn mein Mann ist schwerer als ich und damit liegt er die letzten Stunden der Nacht auf dem Boden, während ich noch reichlich Luftpolster unter mir habe.

Den Getränkeeinkauf haben, wie in den vergangenen Jahren, die Männer übernommen. Das Ergebnis ist ein Hänger, der aussieht, als würde eine Horde Jugendlicher zum Festival fahren. Zwischen Bierkisten und Feuerholz finden sich ein paar Flaschen Limo und Wasser. Ein großer weißer Pavillon muss auch noch verstaut werden. Dieser dient uns als Gemeinschaftszelt mit Biertischen und provisorischer Küche. Für die kleinen Zelte ist bereits kein Platz mehr, genauso wenig wie für die Lebensmittel, die unsere Lagermutti Flitzer besorgt hat. In schönster Tetrismanier werden Schlafsäcke, Zelte und Küchenutensilien auf die Fahrzeuge verteilt.

Ein Teil unserer Herde hat kurzfristig beschlossen bereits heute anzureisen, um bei dem zu erwartenden großen Andrang unseren Stammplatz auf der Campingwiese klar zu machen. An sich keine schlechte Idee. Der arbeitende Rest kommt dann morgen nach.
Nachdem mein Mann abgereist ist, werde ich mir jetzt vor dem Einschlafen die Abnehm-CD anhören. Das muss ich erledigen, bevor ich ab morgen den Großteil meines Urlaubs im Badeanzug verbringen werde.

Fr 10.08.18
Jetzt kann ich auch nichts mehr ändern.

Gemeinsame Abfahrt der Verbliebenen um 13.30 Uhr.
Wichtig ist hierbei der Checkup, ob auch wirklich alle Beteiligten am Ende in einem der Autos sitzen. Da hier nicht mehr nach Familien sortiert werden kann, passiert es durchaus hin und wieder, dass der oder die oder das langsamste Glied der Kette vergessen wird. Je nach Priorität wird dann nach den ersten Kilometern nochmals gewendet, z.B. beim Fehlen eines unserer Sprösslinge (eines der Haustiere wurde komischerweise noch nie vergessen), unterwegs das fehlende Teil durch ein gleichwertiges Neues ersetzt, oder das Fehlen von z.B. Zahnspangen einfach akzeptiert und für die nächsten Tage darauf verzichtet.

Das Wochenende hat begonnen, und obwohl die Vorbereitungen nicht wie geplant verlaufen sind, bin ich sicher, dass auch dieses hier eines der schönsten Gammelwochenenden werden wird, das wir uns wünschen können. Das mit dem Gammeln hat bis jetzt noch immer geklappt. Dass ich gestern Abend bereits nach den ersten Minuten der Abnehm-CD eingeschlafen bin, tut mir schon ein bisschen leid. Sollte ich es in nächster Zeit schaffen sie mir komplett anzuhören, werde ich gerne meine Erfahrungen mit dir teilen. So lange kann ich mir ja die Strandgarage überziehen, wenn ich will. Vorerst habe ich mir als kleines Trostpflaster eine Packung Chips und eine Flasche Wein für den ersten Lagerfeuerabend besorgt. Die habe ich mir wirklich verdient.

Liebe Grüße, und dir ein schönes Wochenende.
Plan nicht so viel, es kommt sowieso anders.
Manchmal sogar besser. Deine Glitzer

2 Antworten auf “Tagebuchauszug”

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