Wir werden täglich mehr

Unsere Familie erfreut sich täglich an Zuwachs. Was in diesen Zeiten schon einem Paradoxon gleicht. Von Vereinsamung kann bei uns keine Rede sein. Die Namen der  neuen Mitbewohner, meist von den Künstlern selbst vergeben,  kann ich mir nicht merken. „Hey Du“ muss reichen. Oder ich trag das neue Familienmitglied einfach ins nächste Zimmer. Meistens versammeln sie sich gegen Ende des Tages bei mir in der Küche, um sich mir zu präsentieren.

Hase und Igel haben es sich gemeinsam auf der kleinen Buxhecke gemütlich gemacht.
Nadelfilzen ist eine einfache Technik, mit der auch jüngere Kinder schon schöne Erfolge erzielen können. Und das ganze Gepansche mit Wasser ist nicht nötig.

An sich hat es ganz harmlos begonnen. Ich hatte meinen Bastelschrank ausgeräumt in der Hoffnung, Stauraum für mein relativ neues Hobby, die Bienen, zu schaffen. Mit dem Erfolg, dass der Schrank momentan zwar leer, dafür der Keller vollgemüllt war. Und da kamen nun vor einigen Tagen meine Kinder ins Spiel. Spiel ist gut gesagt, denn es wurde bitterer Ernst. Während ich sie vormittags noch mit Hausaufgaben ruhigstellen konnte, verfielen sie, und tun es immer noch, nachmittags in euphorisches, ja geradezu zwanghaftes Bastelfieber. Es wird gemalt, gezeichnet, gefilzt, marmoriert, gesägt, geformt, gestrickt und geklebt. Sie modellieren, gestalten und dekorieren alle freien Ecken und Wände mit Hingabe. Allerdings, wohl aufgrund des aktuellen Mangels an Freunden, sicherlich auch unterbewusst, nur mit figürlichen Kunstwerken.

Unsere Stoffente hat es sich auf der kleinen Buxbaumhecke bequem gemacht.

Es läuft doch irgendwie immer aufs Gleiche raus. Unser Haushalt bekommt neue Mitbewohner. Täglich.

Königin und König sind Grasköpfe. Das bedeutet ihnen wachsen als Haare Grashalme.
Unsere Bienenvölker haben einen König und eine Königin bekommen. Beide sind sich dieser Ehre sichtlich bewusst.

Ich hab schon lieber Künstler im Haus als Handydattler. Weshalb sollte ich meine Sprösslinge denn in dieser kreativen Phase ausbremsen? Weil ich das Chaos ehrlich gesagt nimmer lang ertrage? Weil ich weiß, dass ich es nie schaffen werde, mich von den süßen kleinen Kunstwerken zu trennen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben? Weil ich unter all dem Bastelkram meinen Boden nicht mehr finde? Was soll das Gejammer?

Noch simmer alle gesund und damit das so bleibt, halten wir uns an die Regeln. Ob sie alle Sinn machen, kann und will ich nicht beurteilen. Meinen Kindern sage ich in manchen Situationen, wenn das Warum?-Spiel kein Ende nimmt: „Weil es einer entscheiden musste und das in diesem Fall ich war. Punkt.“ Dieses Mal haben andere entschieden und ich mach mit. Punkt.

Ich habe für mich den „Ich versuche mich in dieser Situation bestmöglich einzurichten und sie mit Gleichmut zu ertragen“ Zustand entschieden. Und die meiste Zeit des Tages bring ich den auch hin. Den Zustand meine ich. Mein Mann sieht das ein bisschen anders, doch der ist da auch arg streng zu mir.

Wir haben uns stillschweigend darauf geeinigt, dass jedes Familienmitglied einen Wutanfall täglich zugestanden bekommt. Dieser wird vom Rest der Mitbewohner mehr oder weniger ignoriert oder zumindest nur selten kommentiert. Das hat sich als gute Strategie erwiesen. Wir kommen klar und stehen das durch. Ich habe mein Malbuch  Meditationsmandalas wiederentdeckt und meine Qi-Gong Meditationskugeln. Beides hilft in heißen Phasen mehr oder weniger gut. Vorausgesetzt diese besch……. Buntstifte brechen nicht immer ab, sobald ich mal etwas fester aufdrück. Und die Kugeln fallen mir nicht ständig aus der Hand. Beides, also malen und die Kugeln zu jonglieren ist echt schwer. Also einzeln geht´s, aber aus Zeitgründen mach ich beides gleichzeitig, sonst werde ich da ja nie fertig. Naja, ich hab ja noch ein paar Wochen. Bis zum Ende unserer Familienidylle werde ich beides gleichzeitig können. Da bin ich mir sicher.

Bis dahin haltet die Ohren steif. Seht nicht alles schlecht. Durch Jammern ist noch nie etwas besser geworden.

LG Glitzer

 

 

 

6 Antworten auf “Wir werden täglich mehr”

  1. liebe FLITZERGLITZER,
    danke, endlich bist du wieder mit einem lesenswerten, schönen beitrag da. habe dich lange, sehr lange vermisst.
    besonders in diesen zur vereinzelung neigenden zeiten.
    mach bitte weiter so und wenn eure famile wächst und wächst. langeweile kann da niemals aufkommen.
    LG dietmar

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    1. Danke für die lieben Worte. In den letzten Monaten hat mich das Leben ein wenig eingeholt. Doch ich beginne tatsächlich, diese „Zwangspause“ als „Zwangsgelegenheit“ zu sehen. Bin gespannt, was sich noch alles an Neuem ergibt. LG Glitzer

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      1. vermeide das UNWORT, was ich jetzt als „sturm im wasserglas“ des öfteren hier lese, manche geniessen die „zwangspause“, als „zwangsgelegenheit“? plötzlich die stille neu zu entdecken oder im abstand der warteschlagen sich selbst auch innerlich zu entschleunigen.
        entschleunigt bin ich oft mehr als mir gut tut und m abstand halten geübt und nicht wirklich nicht anders als sonst. bloss eines schränkt meine bewegungsffreiheit unfreiwillig noch mehr ein, ich kann gerade zu ostern nicht reisen im zug, wo ich am liebsten meinen 76ten erleben möchte, statt zuhause zu sitzen und so weiter – bin nicht „der goldene reiter“💫🦉💌
        LG dietmar

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