Übertopflösung

Drei Zimmerpflanzen in Mooskugeln gepackt.

Neubauten haben gegenüber alten Häusern viele Vorteile. Die schmalen Fensterbänke gehören sicherlich nicht dazu. Ich weiß, dass Neid nicht wirklich schön ist, aber ich muss zugeben, dass ich wirklich neidisch auf Besitzer von breiten Fensterbänken bin. Wenn ich bei meiner Cousine in Berlin bin, kann ich mich an den wunderschönen alten Fensterbänken kaum satt sehen. Darauf wirken Zierpflanzen immer harmonisch und so, als würden sie einfach dorthin gehören.

Meine Fensterbänke

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Nur für mich

Ein ziemlich unspektakuläres Foto der Fugen. Fugen, so schwarz wie die Nacht.

18.30 Uhr. Ich hatte noch dreißig Minuten, bis meine Mama mir meine zwei Kleinen bringen würde. Genau richtig, um endlich mal wieder die Aluleiste zu schrubben, die den Übergang meines Holzbodens im Esszimmer zum gefliesten Boden in meiner Küchenzeile bildet. Als ich vor 15 Jahren beschloss, in ein und demselben Raum zwei verschiedene Bodenbeläge zu wählen, hatte mich im Vorfeld niemand darauf hingewiesen, dass da dann ja ein Übergang eingepfuscht werden müsste. Optisch ist dieser fragwürdige Lösungsversuch noch vertretbar, wenn die besagte Leiste gründlich gereinigt ist. Allerdings hat sie ganz feine Rillen, die binnen kürzester Zeit von silbrig glänzend zu schwarz wechseln. Nur die Rillen natürlich, die Ränder nicht. Das zwingt mich in regelmäßigen Abständen auf die Knie.

Alubodenleiste

Für solche Arbeiten brauche ich verschiedene Komponenten. Zeit, Ruhe und uneingeschränkte Selbstdisziplin. Denn die halbe Leiste schrubben geht nicht. Erst einmal angefangen, muss ich bis zum Schluss durchhalten.

Ich fing also völlig ohne Abneigung an, mich an die Arbeit zu machen. Hoch motiviert und mir selbst gut zuredend. Das Radio stellte ich so laut, dass die Schrubbgeräusche von der Musik übertönt wurden. Und da passierte das, was mich hin und wieder völlig unerwartet von hinten anspringt. Ist echt voll gruselig. Weiterlesen „Nur für mich“

DAS ERSTE MAL FLOHMARKT

Ein buntes Sammelsurium an kleinen Schätzen.

Die Sonne scheint durch das kleine Dachfenster in den nur spärlich beleuchteten Raum. Mit jedem Schritt auf den alten, knarzenden Bodendielen wirbeln wir mehr Staub auf. Obwohl wir beide nicht damit rechnen, etwas wirklich Wertvolles zu finden, entwickelt sich doch so ein leichtes Gefühl von  Goldgräberstimmung.

Sonnendurchfluteter alter Dachboden mit Treppe in die nächste Ebene.
Eine gewisse Romantik lässt sich dem alten Dachboden nicht absprechen.

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Backwahn

Drei Jugendliche fetten jeweils eine Backform.

Hoch konzentriert kratze ich mit einem Holzzahnstocher die bunte Masse aus den Gehäuseritzen meiner Küchenmaschine. Versuche den Geschmack verschiedener Teigreste an Löffeln und Teigschabern zu erraten. Obwohl es rational gesehen nicht möglich ist, bilde ich mir ein, dass das Gelb nach Zitrone und das Grün nach einem Hauch Pfefferminze schmeckt. Ich bin allein, zurückgeblieben nach der großen Backsause. Weiß nicht, wie lange ich schon hier stehe, und versuche alle Spuren zu beseitigen, um den Urzustand meiner Küche wiederherzustellen. Vergleichbar mit einem Tatortreiniger. Der sich, nachdem alle coolen sonnenbrillentragenden Typen ihre Arbeit erledigt haben, seiner wichtigen Rolle bewusst, an die Arbeit macht. Für Außenstehende biete ich sicherlich einen armseligen Anblick. Wie ich rasant Reste aus Ritzen kratze, lustvoll von Löffeln lecke und besonders begabt Brettchen bürste. O wie ich Alliterationen liebe, Weiterlesen „Backwahn“

Unabhängigkeit

buntes Allerlei an wärmespendenden Hilfsmitteln für die weibliche Frostbeule

Von allen Seiten hören wir, wie wichtig es ist, dass wir Frauen uns unabhängig von allem machen. In erster Linie von den Männern. Unseren kleinen Prinzessinnen steht zum Glück dieselbe schulische Ausbildung zur Verfügung wie den Jungs. Sie können werden, was immer sie möchten. Auch die typischen Männerberufe sind kein Tabu mehr. Finanzielle Unabhängigkeit gibt uns die Möglichkeit, selbst für uns zu entscheiden und eventuelle Fehler in der Partnerwahl zu korrigieren. Das alles ist für uns zur Selbstverständlichkeit geworden.

Bis vor Kurzem dachte ich wirklich, eine unabhängige, ja geradezu vogelfreie Frau zu sein. Aber so ist das mit den Spatzen in der Hand, während sich der Adler in seinem Horst, oder so. Niemals Weiterlesen „Unabhängigkeit“

Solange es ging

Bis vor kurzem dachte ich, das Heimwerkermekka für den Durchschnittsmann liegt bei uns nahe der B13. Der Ort, an den Hausfrauen ihre Männer am Samstagvormittag mit dem Auftrag losschicken, eine Ersatzglühbirne zu besorgen. Mit der Gewissheit, sie bis zum Mittagessen aus dem Weg geräumt zu haben. So lange dauert es für gewöhnlich, ehe Weiterlesen „Solange es ging“

Gurkenschwemme

Ein Gurkenberg inmitten von Gurkenstauden

Zuerst ziehe ich auf dem Fensterbrett die eigenen Pflanzen in kleinen Töpfen vor. Umsorge sie, achte darauf, dass sie genug Licht, aber nicht die knalle Sonne abbekommen. Das erste Blattpaar der Sprösslinge freut mich immer besonders. Sobald es einigermaßen vertretbar ist, kommen die Kleinen ins Hochbeet. Meist sind es dann nicht zwei Pflanzen, wie ursprünglich gedacht, sondern vier, da wider Erwarten doch alle Samen gekeimt haben. Weiterlesen „Gurkenschwemme“

Rabattrausch

Hand auf’s Herz. In uns allen steckt doch mehr oder weniger ein Schnäppchenjäger. Sonst würde der ganze Rabattwahnsinn doch nicht funktionieren. Dabei ist mir, wie dir sicherlich auch, klar, dass niemand etwas zu verschenken hat. Als Gegenleistung präsentieren wir den Konzernen unsere Daten, unsere Gewohnheiten als Verbraucher, ja manchmal sogar unsere Entscheidungsfähigkeit. Gestern habe ich Depp Weiterlesen „Rabattrausch“

Krank sein ist gemein

Glasschirm einer Deckenlampe mit verendeten Tierchen im Inneren

Der Rest meiner Familie war in der letzten Woche krank. Magen Darm. Einer nach dem Anderen lag flach und wurde von mir mitfühlend gepflegt. Klar, dass jeder, der eine ganze Nacht im Badezimmer verbracht hat, nicht zur Arbeit oder in die Schule kann. Schlaf ist die beste Therapie, und so steckte ich alle ins Bett und sprang von Zimmer zu Zimmer. Tee, Spuckeimer, Bettwäsche wechseln, das ganze Programm. Da auch mein Mann darnieder lag, konnte ich für die Arbeit weiterhin das Haus verlassen. Alles halb so schlimm, unser Familienunternehmen lief ganz gut weiter. Zum Freitag waren alle wieder fit und wir freuten uns aufs Wochenende. Doch dann….

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