Solange es ging

Bis vor kurzem dachte ich, das Heimwerkermekka für den Durchschnittsmann liegt bei uns nahe der B13. Der Ort, an den Hausfrauen ihre Männer am Samstagvormittag mit dem Auftrag losschicken, eine Ersatzglühbirne zu besorgen. Mit der Gewissheit, sie bis zum Mittagessen aus dem Weg geräumt zu haben. So lange dauert es für gewöhnlich, ehe sie mit allem bepackt wiederauftauchen, was sie denn für in der Zukunft geplante Projekte benötigen. Farbe, Pinsel, Kabelbinder, Sägeblätter, Klebebänder. Die Aufzählung ist und würde, egal wie lange, unvollständig bleiben. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit haben einige meiner Freundinnen zugegeben, dass sie gerne bereit währen, eine Aufwandsentschädigung an oben genannte Einrichtung zu bezahlen. Wenn dafür die am Samstag von ihren Männern erworbenen Waren im Laufe der darauffolgenden Wochen von einem Kurier des männerbetreuenden Etablissements wieder abgeholt werden würden. Die Männer würden sie nicht vermissen – denn der Tag der Verwendung liegt ja noch fern – und es gäbe am darauffolgenden Samstag wieder 1000 Dinge, die dringend besorgt werden müssten.

Aber wie gesagt, das war einmal. Bis zum Tag X.  Der Tag, an dem aus meiner Spülmaschine ein kleines Rinnsal direkt in meine darunterliegende Schublade mit den Kochbüchern lief. Nicht viel, aber gerade so viel, dass der Schaden groß genug war. Außerdem stoppte sie ständig das Programm, da sich die Tür durch das starke Rumpeln im Inneren öffnete. Und wenn der Kontakt nicht zustande kommt, schaltet sie ab. Die Tür ist dann natürlich leicht geöffnet und deshalb das Tropfen. So unsere erste Diagnose. Aus Zeitmangel habe ich meine Schätze in Sicherheit gebracht und die Schublade mit Tüchern ausgelegt. Diese saugten das Wasser der folgenden Spülgänge auf, bis am Samstag die große Reparaturaktion geplant war. Von den Händlern war die klare Ansage, dass die Reparatur einer zwölf Jahre alten Spülmaschine nicht rentabel sei. Also, selbst ist der Mann. Oder vielmehr:

Gemeinsam sind die Männer.

Nachdem ich mit meinem Mann die Patientin aus ihrem Schrank gehoben hatte, war es erst einmal an mir, größere Verschmutzungen zu beseitigen. Ich kroch förmlich in die Küchenzeile. Meine Einbauspülmaschine steht über Eck, das bedeutet, dass dahinter ein geradezu himmlisches Paradies für Spinnen zu sein scheint. Als ich daraus wiederauftauchte, machte ich aufwändigen Halloweenkostümen ernstzunehmende Konkurrenz.

Unsere Kleine ist noch weiter hinter die Küchenzeile gekrochen und hat diese Kunststoffspinne gefunden.
Als unser Kleinste noch weiter unter die Küchenzeile kroch, fand sie diesen Mitbewohner. Ihr Kommentar: „Als ich sie angefasst habe, dachte ich die wäre echt.“ Tapferes Mädchen. Ich bekam beim ersten Blick fast einen Herzinfarkt.

Während meines Aufenthalts im Gruselkabinett war männliche Verstärkung eingetroffen. Und so standen nun bereits zwei Männer beratend bei meiner Spülmaschine und kamen zu dem Ergebnis, dass der Türkontakt wiederhergestellt werden musste. Da Leistung auf leeren Magen nicht zu erwarten war, gabs Frühschoppen zum Reparaturworkshop. Der zog sich im Laufe des Samstags mit wechselnder Besetzung über den kompletten Tag. Unser Grundstück befindet sich in der Einflugschneise zum Wertstoffhof. Da reihten sich am Samstagnachmittag die Müllpilger mit Schubkarren und Leiterwägen aneinander. Einige mit guten Ratschlägen zu unserem aktuellen Spülmaschinenproblem. Andere einfach nur durstig. Trotzdem zeichnete sich auch zum Feierabend keine brauchbare Lösung ab. Nach eingehender Beratung wurde die Maschine wieder eingebaut und das Kontaktproblem mit einem Holzkeil behoben, der bei jedem Waschgang eingekeilt werden sollte. Keine besonders elegante, aber wirkungsvolle Methode.

Beflügelt vom Teilerfolg sollte sich dieser Samstag innerhalb eines Quartals noch zweimal wiederholen, denn so optimal wurde das Tropfen dann doch nicht behoben. Die Pressspanplatten meiner Küche quollen langsam aber stetig vor sich hin. Was mich mehr und mehr beunruhigte.

Bodenlappen unter der Küchenzeile zum Aufsaugen des ausgelaufenen Wassers.
Der Verbrauch an Bodenlappen stieg im Laufe der letzten Wochen dramatisch an.

Ich tat, was ich konnte. Jedes Mal, wenn die Spülmaschine ihren Samstag außerhalb ihres vorgesehenen Platzes verbrachte, reinigte ich geradezu pedantisch Gummidichtungen, Schläuche, Siebe und so weiter, in der Hoffnung, eventuelle Schwachstellen zu entdecken. Aber leider ohne Erfolg. Die herbeigeeilten Hobbyhandwerker frönten ihrer Zunft und zelebrierten die dringend benötigten Pausen.

Nachdem meine Küche von außen sichtbare Schäden aufwies, und mich gehäuft Leute auf der Straße nach dem Gesundheitszustand meiner Spülmaschine fragten, haben mein Mann und ich uns schweren Herzens entschieden, in einer Hauruckaktion eine neue Spülmaschine zu kaufen. Schweren Herzens deshalb, weil uns unser zwölfjähriges Modell wirklich ans Herz gewachsen war, und abgesehen vom Tropfen einwandfrei funktionierte. Sie leistete treue Dienste durch wirklich turbulente Zeiten. Während Hersteller von 280 Spülgängen im Jahr ausgehen, liegt unser Bedarf leicht beim Dreifachen.

Eine geöffnete Spülmaschine voller Konserven.

Wie es dazu kam, dass ich meiner Spülmaschine sogar Konserven zumuten musste, kannst du im Beitrag Dreifalterigkeit im Schlaraffenland nachlesen.

Obwohl es absehbar war, haben wir uns im Vorfeld nicht wirklich gut auf den Neuerwerb vorbereitet. Es sollte eine Spülmaschine sein, die in erster Linie das Geschirr sauber spült. Ganz einfach. Sollte man meinen. Und das Ganze in einem Kurzprogramm. Nach Auskunft der Verkäuferin hatte das kurzerhand gewählte und leider auch alternativlose Modell- wollten wir die neue Haushaltshilfe gleich mitnehmen- sowohl das Kurzprogramm wie auch Energieeffizienzklasse A++. Und weil es das Ausstellungsstück war, sogar um atemberaubende 20 Euro günstiger.

Aufgrund verschiedener Unpässlichkeiten dauerte es einen weiteren Samstag lang, bis das neue Modell angeschlossen war. Aber dann gings ab. Ich wollte noch s c h n e l l das angefallene Geschirr des besagten Tages spülen lassen, und dann kam das böse Erwachen. Mein neues Kurzprogramm dauert sage und schreibe eineinhalb Stunden. Das Standardprogramm 3.15 Stunden und das hoch gepriesene Eco Programm 4.05 Stunden. Ich könnte raus, wo kein Loch ist. Natürlich kann man jedes Programm als Kurzprogramm laufen lassen, dabei erhöhen sich aber natürlich Wasser und Energieverbrauch, und kurz ist dann noch keines der Programme.

Unsere alte brauchte 26 Minuten für eine komplette Geschirrladung. Sie spülte also das Kochgeschirr in der Zeit, in der unsere Familie aß und konnte danach gleich aus- und wieder eingeräumt werden. Auch für größere Feste war dieses Programm unverzichtbar. Wie ich mit den neuen Spülzeiten klarkommen soll, weiß ich nicht.

Nach den ersten Spülgängen kann ich sagen, dass sich die Spüllänge etwas verkürzt, da wir das Gerät an den Warmwasseranschluss angeschlossen haben.

Trotzdem ärgere ich mich über mich selbst, dass ich mich nicht rechtzeitig besser informiert hatte. Allerdings habe ich jetzt festgestellt, dass das Konzept aller Hersteller in dieselbe Richtung abzielt. Also die Alternativen überschaubar sind. Um die Energieeffizienzklasse zu erzielen, müssen die Programme länger laufen, um Wasser- und Energieverbrauch pro Stunden zu reduzieren. Das hoch angepriesene Sparprogramm ist für praktisch sauberes Geschirr und nur halber Beladung. Geht also total an meiner Lebenswirklichkeit vorbei. Ich für meinen Teil hätte lieber wieder ein kürzeres Programm. Ganz ehrlich, was wären bei einer sechsköpfigen Familie ein paar Liter Wasser am Tag mehr? Schließlich ist allein der Gebrauch einer Spülmaschine gegenüber dem Handspülen schon sehr viel sparsamer. Während ein durchschnittlicher Spülgang in der Maschine ca. 10 Liter benötigt, braucht man beim Handspülern für dieselbe Menge Geschirr ca. 50 Liter Wasser. Dadurch, dass die Temperaturen höher sind und das Nachtrocknen mit dem Geschirrtuch wegfällt, ist auch das Ergebnis in Bezug auf die Hygiene besser.

Und überhaupt Energieeffizienzklasse? Was sagt mir die überhaupt? Ich hab mal nachgelesen.

Die Definition Effizienz lautet nach dem Gabler Wirtschaftslexikon wie folgt:

Effizienz

ist ein Beurteilungskriterium, mit dem sich beschreiben lässt, ob eine Maßnahme geeignet ist, ein vorgegebenes Ziel in einer bestimmten Art und Weise zu erreichen.

Das bedeutet für mich, dass ich mit meiner Maschine zwar Energie sparen kann, aber ob ich mein Ziel, in kurzer Zeit sehr viel sehr schmutziges Geschirr maschinell reinigen zu lassen, erreichen werden, bleibt anzuzweifeln.

Nachdem ich mich jetzt leider etwas spät, aber intensiv in dieses Thema eingelesen habe, weiß ich, dass nicht nur in der Automobilbranche getrickst wird. Alle Hersteller testen Verbrauchswerte unter Optimalbedingungen. Egal welches Elektrogerät. Fernseher, Staubsauger, Waschmaschinen, Trockner,….. und eben auch Spülmaschinen. Doch nachdem im Jahr 2018 in Deutschland ein Gesamtumsatz von 939 Mio Euro nur für Spülmaschinen veranschlagt wurde, verstehe ich die Notwendigkeit, uns Verbraucher für dumm zu verkaufen. Schließlich müssen auch die Konzerne schauen wo sie bleiben. Wo kämen wir denn hin, wenn uns so etwas wie Energieeffizienzklassen verlässliche Informationen liefern würden? Wenn alle gleich tricksen, ist es eh einerlei, von wem wir uns belügen lassen. Die Alternative, auf alle Haushaltsgeräte im Allgemeinen zu verzichten, ist keine.

Und zum guten Schluss noch etwas Nachdenkliches. In einer Statistik habe ich gelesen, dass 2018  28,1% aller Deutschen keine Spülmaschine haben. Unglaublich. Und das mitten unter uns.

In diesem Sinne: „ Spül, Spül, Hurra.“

Ich verbleibe inmitten von Bergen an schmutzigem Geschirr, und einer blitzblank gereinigten, fast funktionierenden Spülmaschine in der Garage, mit dem guten Gewissen Energie zu sparen und der Hoffnung auf einen motivierten Handwerker, der unserer „Alten“ zu einem neuen Arbeitsleben verhelfen kann.

Deine Glitzer

5 Antworten auf “Solange es ging”

  1. 📖🐛
    Willkommen im Club der Zwangsgeduldigen!
    Bei unserem Geschirrspüler habe ich die Wahl zwischen 1h58min und 2h57min. Dazu kommt noch das nervtötende Puzzlespiel beim Einräumen des Bestecks in die ach so tolle Besteckschublade, bei der je nach Besteckteil auch noch differenziert werden muss, ob es das Besteckteil viel Platz braucht (große Löffel und Messer-wegen des Griffs) oder nicht. Weil das Teil sonst nicht sauber wird oder gaaanz unschöne Berührungsstellen mit dem nebenliegenden Besteckteil bekommt. Und dabei handelt es sich um ein Gerät der Firma mit dem großen M. Gekauft im Nachbarort, weil es schnell gehen musste und im Notfall der Elektriker, der gute Herr Schneider, gleich weiß, wo er hinlangen muss. Leider hilft der gute Herr Schneider mir nicht, wenn ich abends todmüde in der Küche warte, dass die Spülmaschine fertig wird oder wenn ich gleich platze vor Ungeduld beim Einsortieren des Bestecks.
    In der Schweiz, wo eine meiner Lieblingsmenschen ein Jahr in einer fremden Familie verbracht hat, kann man übrigens problemlos Gastro-Geschirrspüler kaufen, die brauchen bloß eine halbe Stunde pro Spülgang.
    Und wenn es mal ein neues Gerät braucht, ist echt zu überlegen, ob der reduzierte Strom-und Wasserverbrauch der neuen Maschinen es wert ist, geschonte Nerven und Frieden in der Küche aufzugeben.
    Übrigens geht der Trend zur Zweit-Spülmaschine.
    Ach ja, da fällt mir ein, irgendwann ist eine neue Waschmaschine fällig. Wer hat so wie ich schon mal auf die Dauer der Waschgänge geschaut? Hiiiilfe….!!!

    Gefällt 1 Person

    1. Die Besteckschublade war unser Ausschlusskriterium beim Neuerwerb. Das wollte sich nun wirklich keiner von uns antun. Jetzt hatte ich echt schon Zweifel, ob das die oberste Priorität hätte sein dürfen. Aber wenn die mit Besteckschublade auch so lange braucht, dannn geht es mir jetzt ja sogar noch besser als Dir. Ich fühle ehrlich mit Dir. Ich frage mich, ob bei der Konstruktion solcher Geräte auch Menschen beteiligt sind, die diese am Ende des Tages auch bedienen. Ich wünsche Dir auf jeden Fall gute Nerven, und in absehbarer Zukunft einen Gastro-Geschirrspüler. LG Glitzer

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  2. Ja, die Geschirrspülerzeiten sind nicht mehr das, was sie mal waren. Die Dinger brauchen jetzt.
    Die Reiniger sind aber auch nicht mehr wie früher. Und beides zusammen ist gar schrecklich.
    Früher konnte ich ein verdrecktes, eingebackenes Backblech in den Geschirrspüler stopfen und er übergab es mir am Ende seiner Spülzeit, freudestrahlend und sehr stolz, hochglänzend, nahezu wie neu zurück. Inzwischen muss ich selber schrubben, wenn ich es wie neu haben will.

    Ich drücke die Daumen, dass doch noch ein findiger, geschickter Handwerker den Weg zu euch findet und, egal ob mit oder ohne Pausen, dem alten die Inkontinenz abgewöhnen kann.

    Liebe Grüße und Prost!
    Pia

    Gefällt 1 Person

    1. Das mit den Backblechen musste ich jetzt leider auch schon feststellen. Das macht die Zusammenarbeit von uns beiden noch problematischer. Danke fürs Daumendrücken. Ich hoffe wirklich, dass sich noch jemand findet, der sich um die Gesundung unserer „Alten“ kümmert. Gerne auch mit Pausen und dazugehörigem Imbiss. Bis dahin bedeutet es Kompromisse über Kompromisse zu finden. LG Glitzer

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