Dreifalterigkeit im Schlaraffenland

Nein, ich bereite keinen italienischen Abend für Freunde vor. Schön wär’s.

Hattest du schon einmal Lebensmittelmotten? Nein? Also ich bin gerade mittendrin. Es ist zum Verrücktwerden. Als ich die erste entdeckte, glaubte ich noch an einen zufälligen Besucher. Ja von wegen. Kurz darauf fand ich die ersten Gespinste im Hartweizengrieß. Packung entsorgt und gut – dachte ich. Manchmal bin ich echt naiv. Als mir die nächsten, ja, die Mehrzahl ist korrekt, aus dem Vollkornmehl entgegenwinkten, war gelinde gesagt Panik angesagt. In einer Hauruckaktion hatte ich alle offenen Gebinde in meiner Speisekammer entsorgt. Mehl, Grieß, Nudeln, Nüsse, alles flog raus. Und jetzt bin ich in der nächsten Phase angelangt. Die Dinger lachen mir nämlich ins Gesicht. Nachdem ich ihre Lieblingsbuffets entfernt hatte, stürzten sie sich ganz offensichtlich auf die geschlossenen Verpackungen. Die Schokoladenvorräte der Kids, insbesondere die Neapolitaner, scheinen sie zu lieben. Denen ist es wirklich egal ob Karton oder verschweißte Folienverpackung. Motten scheinen die McGyver der Lebensmittelschädlinge zu sein. Die kommen überall rein. Also, jetzt hab ich mich mal schlau gemacht, und werde mein neu erworbenes Wissen mit dir teilen.

Vorneweg, es hat nichts mit Sauberkeit zu tun. Also unterm Strich schon, man sollte verschüttete Lebensmittel sofort entfernen und den Lagerraum sauber halten, aber man kann sich diese Tierchen praktisch mit jedem Einkauf einschleppen. Meine großen Fehler waren erstens, dass ich die Originalverpackungen ins Regal gestellt hatte. Besser ist es, alles in gut verschließbare Behälter zu stellen, damit sich die Schädlinge bei einem eventuellen Befall nicht ausbreiten können. Zweitens habe ich zu viel auf Vorrat gekauft. Das liegt daran, dass ich gerne spontan entscheide, was auf den Tisch kommt, und ich deshalb gerne alle Grundnahrungsmittel griffbereit habe. Außerdem nutze ich gerne Sonderangebote. Und drittens habe ich nach dem Entdecken der Besucher nicht gleich alle Vorräte kontrolliert. Es beruhigt mich allerdings, im Internet gelesen zu haben, dass Motten kein Gesundheitsrisiko darstellen. Sie übertragen keine Krankheiten und der Verzehr von befallenen Lebensmitteln ist nicht grundsätzlich gesundheitsschädlich, aber natürlich ekelig. Die Gespinste können allerdings Hypoallergene enthalten. Also trotzdem die Lebensmittel nicht einfach aussieben und weiter verwenden.

Jetzt bin ich so weit, dass ich die meisten der geschlossenen Gebinde weggeworfen habe, ob Befall oder nicht. Mir graust es nämlich ganz schrecklich. Objektivität und rationales Denken ist im Moment, was diese Problematik betrifft, nicht mehr möglich.

Die „Dreifalterigkeit“ in Form von Mehl-, Körner-, und Dörrobstmotte

Nach meiner laienhaften Diagnose hat sich bei mir die Dörrobstmotte breit gemacht. Das ist der Jackpot, denn diese hat einen breit aufgestellten Speiseplan. Neben ihr gibt es noch die Mehlmotte und die Körnermotte, die habe ich nach eingehender Untersuchung aller Anhaltspunkte nicht. Glaube ich. Aber wie gesagt, die Dörrobstmotte deckt den Lebensmittelbedarf aller ab. Also in keiner Richtung wirklich Entwarnung. Nur Kaffee, Tee und Zucker gehören nicht zu ihren Lieblingsspeisen. Immerhin kann ich meinen Kaffeevorrat somit, nach natürlich eingehender Kontrolle, aufbrauchen.

Ich habe wirklich geradezu pedantisch kontrolliert, großzügig entsorgt und alles Übrige in gut verschließbare Eimer, Gläser mit Schraubverschluss und Plastikdosen verpackt. Mein Teevorrat ist gut verschlossen in Quarantäne gelandet und der Nudeleinkauf von letzter Woche auch. Da werde ich in einigen Wochen rein schauen und sollte sich auch nur ein Hauch von ungutem Gefühl bei mir breit machen, werden beide Behälter, so wie sie sind, auch entsorgt. Die Süßigkeiten habe ich alle kontrolliert und dienen uns als Ernährungsgrundlage für die nächsten Tage. Zum einen weil sie weg müssen und zum anderen, der aufmerksamen Leserin ist das nicht entgangen, habe ich NICHTS mehr in meiner Speisekammer. Und werde sie auch in den nächsten Tagen leer lassen.

Die vorhandenen Konserven habe ich heute in mühsamer Kleinarbeit ausgeräumt und abgewaschen.

Eine geöffnete Spülmaschine voller Konserven.

Allerdings gingen dabei alle Etiketten ab, weshalb ich in den nächsten Wochen wohl hin und wieder Überraschungsgerichte zubereiten werde.

Die Regale habe ich ausgewaschen und die Ritzen mit dem Föhn erhitzt. Diesen Tipp habe ich von einer Freundin. Ja, nachdem ich ein ziemlich extrovertierter Mensch bin, teile ich solchen Frust gerne mit anderen. Geteilter Ekel ist trotzdem kein halber Ekel, wie ich feststellen musste. Eigentlich verdoppelt er sich. Auf alle Fälle habe ich da erfahren, dass weit mehr als die Hälfte aller Leute, denen ich von meinem Mottendrama erzählt habe, dasselbe Problem auch schon einmal hatten. Was mir klar macht, dass es wirklich nicht peinlich ist so etwas zuzugeben. Wichtig ist nur, die richtigen Konsequenzen daraus zu ziehen. Damit sich das Problem nicht auswächst und auf andere Haushalte übergreift. Genauso wie zum Beispiel  Läuse oder Kakerlaken. Aber davon bin ich bis jetzt zum Glück verschont geblieben. Trotzdem als Appell an alle, die das hier lesen, bitte geht offen mit so etwas um und versucht das Problem in den Griff zu bekommen. Für Euch und andere.

Zur Kontrolle, ob die ganzen Maßnahmen zusammengenommen geholfen haben, werde ich eine Pheromonfalle aufhängen. Daran erkennt man, ob noch Motten im Raum sind. Falls ja, alles noch einmal von  vorne. Motten werden viel häufiger durch gekaufte Lebensmittel eingeschleppt als durch Zuflug. Also falls in nächster Zeit welche bei mir in der Falle kleben bleiben, kann ich davon ausgehen, dass sie nicht von außen kommen. Motten mögen den Geruch von Sandelholz und Lavendel nicht. Da mein Lavendel noch blüht, werde ich da ein paar Sträußchen in die Speisekammer hängen, das kann ja nicht schaden und riecht auch noch gut. Nur so als Tipp. Für dich zur Vorsorge.

Sollten alle Stricke reißen, kann ich mir im Internet noch Larven der Schlupfwespe bestellen. Das sind natürliche Feinde der Motten. Sie legen ihre Eier in die Mottenlarven und töten diese somit ab. Aber so weit sollte es bei mir hoffentlich nicht kommen.

Ich hatte heute ein Treffen mit ein paar Freundinnen. Eine hatte Glückskekse dabei. Das hier war meiner. Ich habe mir das wirklich nicht ausgedacht und es schlägt meiner Meinung nach dem Fass den Boden aus.

Und war der Tag nicht Dein Freund, war er wenigstens Dein Lehrer. (Laotse)

Na der hat gut reden. In diesem Sinne. Lerne aus meinen Fehlern und erspar Dir diese Erfahrung.

Liebe Grüße und bis bald. Deine Glitzer

 

 

5 Antworten auf “Dreifalterigkeit im Schlaraffenland”

  1. 🙈🙈🙈
    Ich kann das sooooo gut nachvollziehen!!
    Hatte ich dieses Jahr auch schon, meine Küche hat es mir gedankt. Zwei Tage Küchenputz in den Sommerferien bei gefühlten 50 Grad waren als Gratis-Workout inklusive 😅.
    Das mit den Schlupfwespen Probier ich glaube ich mal aus 🤔

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  2. Hallo Glitzer,
    Tüchtig warst Du-hoffentlich mit Erfolg!
    Die Tierchen hatte ich vor Jahren auch mal, furchtbar! Da krochen die geschlüpften Würmchen an meiner Zimmerdecke in der Küche entlang. Igitt! Seitdem sind zumindest die Trockenvorräte in der Küche in so Bügelverschlussgläsern mit Gummidichtung.
    Super geholfen haben die Pheromonfallen für Lebensmittelmotten, die ich damals gekauft habe.
    Schöne Grüße von einer grinsenden Moni, weil die Marmeladengläser in der Spülmaschine gar so witzig sind. Überraschungsessen gibt es hier bei uns auch öfter, allerdings auus der Gefriertruhe, wenn die Hausfrau die Behälter wieder mal schnell loswerden wollte und sie nicht beschriftet hat.
    So long!

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    1. O das Problem mit unbeschrifteten Päckchen im Gefrierschrank kenne ich auch. Da gabs schon so manche Überraschung. Es ist beruhigend zu hören, dass das gar nicht so unnormal ist. Das gibt mir Hoffnung.
      Danke für Deinen Kommentar, es ist immer schön von Dir zu lesen. Bis nächste Woche. LG Glitzer

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      1. Mensch Glitzer…das tut mir echt leid für dich😕. Ich kenne das Gottseidank nicht. Denn jeden zweiten Donnerstag wische ich alle Oberflächen in der Speißekammer mit Natronwasser ab und kontrolliere alle Vorräte. Angebrochene Packungen gibt es nicht, das plane ich vorher. Hahahaaaa… war nur Spaß 🤡. Die Rache dafür, dass du meinen freien Tag heute aber sowas von versaut hast☹. Dein Bericht hat mich nämlich dazu veranlasst, nach dem Rechten in der Pheromonfalle zu sehen. Die Falle war zwar okay, aber das war auch das Einzige. Vor lauter Angst, dass mir jemand die Kinder nimmt, sollte ein Fremder einen Blick in die Speiß werfen, habe ich den ganzen Tag dort aufgeräumt. Oder besser: Das Problem ein paar Meter weiter verlagert 😫. Muss jetzt ins Bett, morgen muss die Küche dran sein😭. Liebe Grüße, deine FLITZER

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      2. Entschuldinge, ich wollte Dir keine Angst machen. Mit meinem Kontrollbesuch bei Dir warte ich dann wohl besser bis Sonntag. Bis dahin ist Deine Küche aufgeräumt und meine vermutlich nicht mehr zu betreten. Da erscheint mir die Flucht in die Oststadt einfacher, als der Küchenputz. Bis dahin noch viel Erfolg. LG Glitzer

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