DAS ERSTE MAL FLOHMARKT

Die Sonne scheint durch das kleine Dachfenster in den nur spärlich beleuchteten Raum. Mit jedem Schritt auf den alten, knarzenden Bodendielen wirbeln wir mehr Staub auf. Obwohl wir beide nicht damit rechnen, etwas wirklich Wertvolles zu finden, entwickelt sich doch so ein leichtes Gefühl von  Goldgräberstimmung.

Sonnendurchfluteter alter Dachboden mit Treppe in die nächste Ebene.
Eine gewisse Romantik lässt sich dem alten Dachboden nicht absprechen.

Schatzsuche auf dem Dachboden eines alten Hauses. Schöner könnte ein Samstag für mich nicht sein.

Hier sind keine wertvollen Flohmarktschätze zu erwarten.
Wo anfangen?

Vor kurzem durfte ich meiner Schwester helfen, den Dachboden ihres Hauses zu räumen. Nachdem sie das alte Haus gekauft hatte, und die Vorbesitzer ihre Schätze weitgehend geborgen hatten, blieb es an ihr, den Rest auszuräumen. Am Ostermontag fand in der Stadt Flohmarkt statt, und da sollte alles übrig Gebliebene feilgeboten werden. Übrigens der erste Flohmarkt überhaupt, an dem sie sich beteiligen wollte. Auch ich war bisher nur immer in der Rolle der Schnäppchenjägerin unterwegs, und deshalb für den Verkauf keine wirkliche Hilfe. Aber als erfahrene Wertstoffhof- und Second-hand-Kundin habe ich einen Blick dafür entwickelt, was Menschen noch alles bereit sind zu kaufen. Kurz und knapp würde ich mal behaupten: „ALLES!“ Das gilt auch für Gegenstände, die Leute im Dachboden verstauen, weil man sie ja mal wieder brauchen kann. Alles kann verstaut, aufgehoben, in Regale gestellt, auf Haufen geworfen, bevorratet und für später in Sicherheit gebracht werden. Und so bot sich uns die Möglichkeit, den kompletten Samstag mit dieser Aufgabe zu verbringen. Schön war’s!

Wir schleppten Kisten und Taschen voll Krimskrams in den Hinterhof. Dazu brauchten wir kaum zusätzliche Behältnisse zu organisieren. Reisetaschen, Waschkörbe, Plastiktüten und Jutetaschen waren genügend vorhanden. Doch schon beim Vorsortieren gerieten wir zunehmend in die „Das könnten wir noch brauchen Falle“. So wurden Schaumstoffreste für den Papa zur Seite gelegt, Nähutensilien für Mama und Rechenschieber für den Mathematiker. Kerzen kann jeder mal brauchen. Und Schnapsgläser? Na, mit dem daneben gefundenen, seit 15 Jahren abgelaufenen Schokolikör doch gar nicht so unsinnig. Doch da hat es uns dann doch ein bisschen gegraust. Also Likör in den Müll und die Schnapsgläser auf den Verkaufstisch. Der Joghurtbereiter ist auch nicht schlecht, doch da hab´ ich schon einen. So wurde es auf beiden Seiten, Behalten und Weggeben, zunehmend voller. Zufrieden, doch auch mit zunehmendem Juckreiz von Kopf bis Fuß, beendeten wir den Arbeitseinsatz unter dem hunderte Jahre alten Dachstuhl am Nachmittag mit dem dankbaren Wissen um den Luxus, den uns unsere den europäischen Standards des 21. Jahrhunderts entsprechenden Badezimmer bieten.

Haufenweise Flohmarkt
Das Ergebnis unserer Schatzsuche auf dem Dachboden. Wer findet auf unserem Wimmelbild etwas, das er unbedingt braucht?

Reservierungen begehrter Waren

Die ganze Woche über stöberten nun auch die Gäste aus der nahe gelegenen Kneipe in den Schätzen. Reservierten so einiges und freuten sich mit uns auf den großen Tag. Sie hatten Glück, denn für so einiges wären sie am großen Flohmarkttag zu spät dran gewesen.

Flohmarkttag

So sieht es doch gleich besser aus.

Und der Tag des Flohmarktes kam. Freudig erwartet und mit spitzenmäßiger Wetterprognose. Es lief wie am Schnürchen. Um 7 Uhr starteten wir gemeinsam den Aufbau. Kurz darauf kamen die ersten Kunden. Was mich etwas irritierte, aber es waren tatsächlich andere Verkäufer. Im Nachhinein scheint mir das dann doch auch wieder logisch. Das erklärt, weshalb sie selbst auf Flohmärkten verkaufen. Für Warennachschub wird gleich zu Tagesbeginn gesorgt. Durch dieses morgendliche Warm Up mit Profis wurde meine Schwester zu einem unglaublichen Verhandlungstalent.

Trotzdem überließ sie einer Kundin eine Vase nicht für 5 Euro, die ein Kneipengast schon die ganze Woche bewundert hatte. Und dem Gast sagte sie, dass er sie für fünf Euro bekommen würde. Deal.

So wurde es ein schöner Vormittag, mit netten Gesprächen. Es ist toll, wenn man mit fremden Menschen so einfach in Kontakt kommt. Das gelang hier ganz ungezwungen. Egal ob jemand etwas kaufte oder nicht. Bei einem wirklich sehr netten, durchaus nicht ärmlich wirkenden Mann hatten wir allerdings fast schon ein schlechtes Gewissen, ihm etwas zu verkaufen. Während sich seine Frau, nach seiner Aussage, im Gottesdienst in der nahe gelegenen Stadtkirche aufhielt, stöberte er sich durch altes Porzellan. Die Ausbeute, einzelne Tassen, Teller und eine Leberknödelsuppentasse, die er dann gratis dazu bekam. Arme Frau.

Im Laufe des Vormittags blieb ich des Öfteren an dem Joghurtbereiter hängen. Sollte ich ihn doch noch selbst behalten? So ein Joghurtbereiter ist ja an sich nicht schlecht. Aber wie gesagt, ich hatte ja schon einen. Ich steckte ihn aus Interesse mal ein und es leuchtete kein Licht auf. Vermutlich war er auch noch kaputt. Also ließ ich ihn doch lieber da und verabschiedete mich.

Flohmärkte wecken Begehrlichkeiten

Stunden später. Der Joghurtbereiter spukte mir noch immer im Kopf herum. Denn die Gläser könnte man ja noch nehmen, auch wenn das Gerät nicht mehr funktioniert. Während die erste Ladung im Kühlschrank lagert, könnte bereits die nächste Portion produziert werden. Dafür bräuchte ich keine zwei Geräte, sondern nur die doppelte Menge Gläser. Geniale Idee. Dass ich da nicht früher draufgekommen war. Damit könnte ich groß in die eigene Joghurtproduktion einsteigen. Ich hatte meinen gerne genutzt. Nur die letzten schätzungsweise 2 Jahre schon nicht mehr. Hatte den Joghurt auch gerne mit außer Haus genommen, weil die Gläser mit Schraubverschluss so praktisch waren. Hmmm, oder war das vielleicht jetzt doch schon länger her? Mist, ich hätte die Gläser mitnehmen sollen.

Daraufhin die Nachricht an meine Schwester: „Ich nehme den Joghurtbereiter, koste es was es wolle, jeder Preis ist recht.“

Jetzt musste ich nur noch meinen suchen. Wo der wohl steckte? Ich suchte bis spät in die Nacht. Legte mich schlafen, träumte davon, suchte am folgenden Morgen weiter. Schließlich fand ich das heiße Teil bei meiner Mama im Keller. Fast zwölf Jahre nachdem wir von dort ausgezogen waren. In zweifacher Ausführung. Und da dämmerte es mir langsam. Ich hatte mir damals schon im Sozialkaufhaus eine zweite Ausführung gekauft, weil das ja so praktisch ist, wenn man zweimal Gläser hat, um ständig Nachschub produzieren zu können. Unglaublich, das was ich die letzten 24 Stunden glaubte, so dringend zu brauchen, liegt seit Jahren in einem Keller und wartet auf sein Comeback. Bis jetzt nicht vermisst, sondern gänzlich vergessen.

Es ist erstaunlich, was man doch glaubt. zu brauchen. Nur weil einem die Vorstellung von dessen Besitz und Verwendung gefällt. Offensichtlich bin auch ich da keine löbliche Ausnahme.

Und es ist die reine Wahrheit, jetzt in diesem Moment, in dem ich den Beitrag dazu schreibe, fällt mir noch etwas ein. Ich schreibe meiner Schwester eine Nachricht. Fünf Wochen nach dem Flohmarkt. „Hab ich den Joghurtbereiter von dir mitgenommen?“

Die ernüchternde und alles klärende Antwort: „Nein.“

Dazu fällt selbst mir nichts mehr ein.

Liebe Grüße, Deine Glitzer

6 Antworten auf “DAS ERSTE MAL FLOHMARKT”

  1. Liebe Glitzer,
    auch ich bin an den Joghurtgläsern interessiert.
    Ich hätte die wirklich sehr gern, den es ist ja so praktisch.
    Für Preisverhandlungen bin ich bereit,
    Ich biete ein Kaffeekränzchen mit Joghurttorte auf meiner Terrasse an.
    Sonnige Grüße
    Sabine

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    1. Das ist wirklich ein verlockendes Angebot. Ich schau, was sich machen lässt. Die Nachfrage ist allerdings drastisch gestiegen. Sieht aus, als müsste ich dringend mal wieder in einen Second Hand Laden schauen. Echt zu blöd, aber was muss, das muss halt.
      LG Glitzer

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  2. Mensch Glitzer, das ist die Idee…. ein zweiter Satz Gläser. Logisch, dass auch ich einen Joghurtbereiter habe. Er müsste im Keller neben dem Entsafter stehen🤔. Wahrscheinlich nutze ich ihn nicht, weil ich nur zu wenig Gläser habe. Wann ist der nächste Flohmarkt???

    Gefällt 1 Person

    1. Pfingstmontag ist der nächste Termin. Falls ich es bis dahin nicht schaffe mir die Gläser zu sichern, kannst Du sie sicher käuflich erwerben. Die Chancen stehen nicht schlecht. LG Glitzer

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  3. Dachboden, Flohmarkt und Sonnenschein…..
    Was will man mehr??😍
    Ich muss gestehen, ich hab in den letzten Wochen noch einiges aus der Flohmarktecke geholt und wieder zurück in mein Haus gestellt🙈.
    Aber am Pfingstmontag hab ich ja noch einmal die Chance überflüssige Dinge loszuwerden, denn da ist wieder Flohmarkt!🤗
    LG, 🐰

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