Projekt Kleiderschrank

Während ich versuche, die Kleiderschränke meiner Abkömmlinge einigermaßen unter Kontrolle zu behalten, gelingt mir das mit meinem eigenen nicht wirklich. Da die Kids jedes halbe Jahr aus ihren Klamotten rauswachsen, bleibt mir nichts anderes übrig, als gnadenlos auszumisten. Nur hin und wieder passiert es, dass sie ein übersehenes Lieblingsteil anziehen, das sie verboten aussehen lässt. Die Ärmel gehen nur noch knapp über die Ellenbogen, oder sie haben sich eine Hochwasserhose angezogen. Oft stellt sich heraus, dass ich die Ursache der modischen Entgleisung bin. Denn ich habe aus Versehen nach der Wäsche das Teil in den falschen Schrank gelegt. Und da das Kind „sein“ Teil vom Vorjahr noch kennt, kommt ihm nicht in den Sinn, dass es bereits ans Nächste weitergereicht wurde. Aus Bequemlichkeit wird da nichts mehr gewechselt, sondern mit mitleiderregender Würde getragen. Aber das ist ein anderes Thema.

Zurück zu meiner Baustelle

Voller Eifer hatte ich beschlossen, den Kampf gegen mein Schrankchaos aufzunehmen. Mein freier Tag war dafür prädestiniert. Denn klar war, das würde länger dauern. Also räumte ich den kompletten Inhalt raus. Auf das Bett, das Sideboard, den Boden, in Wannen und auf Stühle. Leichte Panik begann in mir aufzusteigen. Zum Glück kam, als alles raus war, meine Schwester spontan auf einen Kaffee vorbei. Den konnte ich jetzt echt gut vertragen. Danach schrieen unisono Spül- und Waschmaschine nach meiner Aufmerksamkeit. Und schwups, schon war es an der Zeit mit der Kleinen Hausaufgaben zu machen….

Lange Rede kurzer Sinn: Ich gab mich für diesen Tag geschlagen. Das Einzige, was ich bezüglich meines Kleiderschranks, zugegebenermaßen missmutig, erledigen musste, war die Kleider vor dem Zubettgehen um das Bett herumzustapeln.

Bunt durcheinandergewürfelte Kleiderstapel
Zum Glück kommt nie Besuch in mein Schlafzimmer. Diese Kleiderstapel befinden sich noch in der Auswahlphase.

Das war vor fünf Wochen.

Seitdem sehe ich mich außerstande, das Problem nochmals anzugehen. Unfähig, irgendetwas wegzuwerfen, stehe ich mir selbst im Weg. Und ich werde das Gefühl nicht los, ein ernsthaftes Problem zu haben. Immer, wenn ich mich an die Aufgabe wage und das eine oder andere Teil begutachte, kommen mir Gedanken wie:

Das habe ich an der Kommunion meines Kindes getragen. Das habe ich mit meinen Mädels auf der Berlinfahrt gekauft. Für Fasching geht das aber noch. Vielleicht möchte das ja meine große Tochter? Das habe ich mir von meinem ersten Lohn 1997 gekauft.

Was soll ich sagen, ich glaube wirklich, ich hab‘ sie nicht mehr alle.

Diese Woche ist mein Mann beruflich unterwegs, und ich hätte vormittags wirklich die Ruhe, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Stattdessen wusel ich mich durch das Haus. Mit allem beschäftigt, was so anfällt. Mal wieder die Leiste in der Küche gründlich schrubbend und aufwändige Gerichte für meine Kids kochend. Und ganz ehrlich, ich mach alles nur, um nicht an den Kleiderschrank zu müssen. Gestern habe ich aus einer Laune heraus die ersten Plätzchen gebacken. Ich nenne es jetzt einfach Herbstbäckerei, denn für Weihnachtsplätzchen ist es ja nun wirklich noch zu früh.

Als kommunikativer Mensch habe ich keine Skrupel, dieses Problem mit Kollegen und Freunden auszudiskutieren. Deshalb habe ich die beruhigende Wahrheit erfahren, dass ich nicht alleine mit diesem Problem bin. Was natürlich keine Lösung beinhaltet. Als Indiz hätte auch das massenweise Angebot an Büchern über dieses Thema dienen können. Ich habe den guten Tipp bekommen, alles was aus der Wäsche kommt, in den Schrank zu räumen und das, was am Ende übrig bleibt, auszusortieren. Damit bin ich in den letzten Wochen ganz gut gefahren. Die Stapel auf dem Boden werden langsam kleiner. Doch ich habe mich dabei erwischt, gezielt Kleidungsstücke zu tragen, die seit geraumer Zeit unbeachtet im Schrank lagen, um mir selbst einzureden, dass ich sie ja doch noch brauche. Auch ein Haufen mit „Aussortiert“ hat sich gebildet. Hauptsächlich bestehend aus zu klein gewordenen Kleidungsstücken, in denen ich aussehe wie meine Kinder in ihren Outfits vom Vorjahr. Mike ist nicht dabei. Die altmodischen Schlaghosen waren mal aussortiert, bis ich gehört habe, dass sie jetzt wieder im Kommen sind. Also zurück in den Schrank.

Ich befürchte, in diesem Hamsterrad werde ich noch einige Zeit verharren. Laufend und schnaufend. Das Ziel ist klar, doch der Weg dorthin noch nicht. Im Moment ist das Chaos größer denn je.

Buntes Allerlei auf den Kleiderstangen
Obwohl das Möbelhaus in seiner Werbung damit wirbt, dass hier alles seine Ordnung haben soll, sieht das bei mir nicht aus wie versprochen.

Auf der Suche nach dem richtigen Weg bin ich auf folgende Ratschläge gestoßen:

Kaum getragene Kleidung in eine Kiste packen und sie, falls ich nichts daraus vermisst habe, in einem Jahr ungeöffnet an die Kleiderkammer spenden.

Alles was zu klein ist, weg. Sollte mir wider Erwarten irgendwann mal wieder etwas davon passen, wird es sicherlich altmodisch sein.

Ungetragene Lieblingsteile aus alten Zeiten aufzuheben ist sentimental und kindisch, aber nicht notwendig.

Wenn ich mir ein neues Teil kaufe, muss dafür zwangsläufig ein altes aussortiert werden.

Nix mit Faschingsschrank! Der sieht noch schlimmer aus als der im Schlafzimmer.

Eine Schrankparty schmeißen. Dazu soll ich Freundinnen einladen, die mir ehrlich sagen, was weg muss. Na die sollen sich mal trauen 😉

Dies sind ausdrücklich keine Besserwisserratschläge von mir, denn niemals würde ich behaupten, auch nur ansatzweise meinen Kleiderschrank unter Kontrolle zu haben. Aber vielleicht ein klein wenig von allem, und ich krieg das bis Weihnachten hin. Bis dahin entferne ich die Wollmäuse zwischen den Kleiderstapeln mit dem Handstaubsauger. Denn mein Staubsaugerroboter hat eine kleine Aversion gegen Kleiderstapel. Im Kampf mit ihnen ist er zwar meist der Stärkere, doch die Qualität der Textilien leidet doch sehr unter seinen Beißattacken.

So, und jetzt nehme ich mir fest vor, bis zum Wochenende eine Kiste Sekt zu organisieren. Denn das mit der Party klingt doch ganz verlockend.

LG Glitzer

2 Antworten auf “Projekt Kleiderschrank”

  1. Hallo Glitzer.
    Ich finde Deinen Beitrag wie immer sehr lustig und unterhaltsam.
    Gib nicht auf, Du schaffst das irgendwann 😉.
    Vielleicht kannst du dich mit der Gewissheit beruhigen, mir Kleiderschrank- und Klamottentechnisch Lichtjahre voraus zu sein.
    Das Ende meines heutigen Tages beweist das!!

    Ich habe mich heute (endlich) über die Bügelwäsche gemacht.
    Zuerst jedes Kleidungsstück, so weit es meine Bügelfähigkeiten zuließen, mit viel Sorgfalt von den Falten befreit und danach behutsam auf meine Holzkleiderbügel gehängt, die dann Platz am Türrahmen fanden. (Ich muss das Material der Kleiderbügel deshalb erwähnen, weil ich es nicht ertragen kann wenn sich ein anderes Fabrikat in meinen Schrank verirrt. Das kann und muss man nicht verstehen, ich tu es eigentlich auch nicht 🙈.)
    Alle Wäschekörbe leer gebügelt wollte ich mein Werk vollenden, indem ich die bestückten Kleiderbügel auf die dafür im Kleiderschrank vorgesehene Stange hänge.
    Da ging das Drama los, denn die Stange war schon mehr als überfüllt und die schon einquartierte Klamotten waren durch den Platzmangel wieder völlig zerknittert 😒.
    Nach kurzer Schockstarre habe ich mich wieder gefangen und mein Vorhaben beendet, indem ich mit einer Hand eine Schneise in den Kleiderwald schlug und mit der anderen Hand mein Bügelwerk dazwischen stopfte. Dann noch schnell die Tür zugemacht, damit man nicht sieht was alles auf dem Schrankboden anstatt auf der Stange landet.

    Kurz habe ich darüber nachgedacht es dir gleichzutun und meinen Schrank zu entrümpeln. Hab mich aber dann dafür entschieden das Licht auszumachen und auf ein Wunder zu hoffen 😂😂😂.

    Grüßi, 🐰

    Gefällt 1 Person

    1. Danke für Deine lieben Worte. Die Schilderung Deines gestrigen Abends beinhaltet doch so einige Parallelen zu meinen Bügelerlebnissen. Ich würde mich sogar zu behaupten wagen, wir sind soetwas wie Schwestern im Klamottendrama. Bleiben wir gemeinsam am Ball und lassen uns nicht entmutigen. Das mit dem Licht ist auch keine schlechte Idee, wenn auch etwas kurz gedacht. LG Glitzer

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