Heidelbeeren, Blaubeeren, Schwarzbeeren,

so weit das Auge reicht. Meine Lieben, raus in den Wald und genießt die Großzügigkeit unserer Mutter Natur!

Alle Jahre wieder freue ich mich auf Ende Juli, Anfang August. Denn da beginnt bei uns die Schwarzbeerzeit. Ja, wir nennen sie bei uns in der Gegend Schwarzbeere.  Sie wird allerdings auch Blaubeere oder Heidelbeere genannt. Sie gehört zur Pflanzenfamilie der Heidekrautgewächse und ist mit ihren dunkelblauen Beeren eine meiner Lieblingspflanzen. Und ich meine hier nicht die von Amerika zu uns herübergetragene Kulturheidelbeere. Ich meine die original Heidelbeere in unseren Wäldern. Die, die so tolle dunkle Zungen und Zähne macht. Mit der wir uns als Kinder schon die gruseligsten Verletzungen an Armen und Beinen geschminkt hatten.

Vielleicht gehe ich deshalb so gerne in den Wald zum Schwarzbeerpflücken. Weil ich dabei immer die Kindheitserinnerungen mit im Gepäck habe. In Kindertagen wurde ich von meiner Oma mit in den Wald geschleppt. Sie war die ungekrönte Königin der Pflückerinnen. Routiniert wanderten die Beeren wie freiwillig in ihren um die Hüfte gebundenen Eimer. Und wir Kinder bemühten uns mehr oder weniger mitzuhalten. Aussichtslos. Meine Eltern verdienten sich in ihren Kinder- und Jugendjahren noch Taschengeld, indem sie mit Freunden zum Schwarzbeerpflücken gingen und sie auf den Markt brachten. Heute überlassen sie ihre Ernte größtenteils mir und ihren Enkelkindern.

Mit den Jahren bekam ich den Dreh raus. Meine Eltern gehen nach wie vor mit mir in den Wald und meine Kinder „müssen“ mit. Ich will ihnen die Schönheit und Großzügigkeit der Natur näher bringen. Und während sie anfangs noch nörgeln und jammern, merkt man nach einiger Zeit, wie sich die Ruhe über sie legt. Sie pflücken, entdecken Tiere und Pflanzen. So zum Beispiel in der vergangenen Woche.

Heidelbeeren als Wellnessquelle

Montag 17.00 Uhr. Es war ein anstrengender Tag. Alle waren mehr oder weniger durch und freuten sich auf Nichtstun. Doch meine Pläne waren gemacht. Schwarzbeerpflücken mit meinen Lieben. Und ich freute mich darauf. Widerstrebend zogen sich die Kleinen ihre Waldklamotten über und setzten sich schmollend ins Auto. Während der Fahrt bockiges Schweigen. So beginnen die meisten Arbeitsaktionen bei uns. Ich habe gelernt, diese Schwingungen zu ignorieren und stieg fröhlich in die Hände klatschend aus dem Auto. Wir sind da!

Heidelbeeren so weit das Auge reicht.

Blaubeerfeld im Wald.
Blaubeeren so weit das Auge reicht.

Die Heidelbeerstauden präsentierten sich uns in saftigem Grün und behangen mit dunkelblauen Beeren. Mein Herz ging auf. Auf Grund der Trockenheit sind die Beeren dieses Jahr nicht besonders groß. Was das Pflücken etwas mühsamer macht, doch kein Grund ist, sich den Spaß entgehen zu lassen. Jeder bekam sein Eimerchen um die Hüfte gebunden und wurde entsand. Zu Beginn wird meist noch geredet und erzählt. Von Seiten der Jammerlappen wird gejammert. Doch mit der Zeit wird es immer ruhiger. Jeder findet seinen Weg, sein Tempo. Konzentriert sich auf nichts weiter als das Pflücken. Und auf einmal passiert es:

Meditatives Heidelbeerwellness

Ich stehe inmitten der knie- zum Teil sogar hüfthohen Stauden. Pflücke die Beeren in mein Eimerchen und verliere mich in dieser Arbeit. In der Ferne hört man die Autos auf der Umgehungsstraße vorbeieilen, doch werden die Motorengeräusche vom Wald in sanftes Rauschen verwandelt. Um mich herum wird es immer ruhiger, bis sich die typischen Waldgeräusche bemerkbar machen. Vögel zwitschern, immer wieder knackt es, weil sich die Bäume im Wind wiegen. Der Kopf wird freier und die Gedanken des Alltags werden verdrängt von wohltuender Leere. Ich komme immer mehr bei mir selbst an. Auf einmal tauchen Melodien in meinem Kopf auf, die ich leise summe. Zu meinem eigenen Erstaunen sind das meistens Marienlieder. Lieder, die von der uns alle beschützenden und liebenden Mutter handeln. Und mir kommt der Gedanke, dass es sicherlich kein Zufall ist, dass auch die Natur als Mutter bezeichnet wird. Die Mutter, die uns so maßlos beschenkt und in der wir uns so geborgen fühlen. Und das ist genau das Gefühl, das ich im Wald zwischen meinen Stauden empfinde. Unendliche Geborgenheit. 

Nach gut zwei Stunden haben alle ihre Eimerchen so weit gefüllt, dass es Zeit wird, die Heimreise anzutreten. Die Ausbeute kann sich sehen lassen. Es reicht leicht für einen Schwarzbeerkrapfen am folgenden Tag und für Schwarzbeerkompott, das uns in den Wintermonaten mit den leckersten Antioxidantien versorgt. Und das völlig gratis.

Zufriedenstellende Ausbeute.
Unsere Ausbeute. Die roten Beeren sind Preiselbeeren. Sie wachsen meist in direkter Nachbarschaft zu den Schwarzbeeren. Deshalb lohnt es sich immer, ein zweites Eimerchen dabei zu haben.

Wärend die Kulturheidelbeeren zu horrenden Preisen verkauft werden, gibt es die Waldbeeren völlig gratis. Mich wundert es immer, dass sich so wenige aufmachen, sich davon zu bedienen. Normalerweise drehen die Leute doch fast durch, wenn es die super Prozente oder gar etwas umsonst gibt.

Deshalb hier mein Aufruf: „Ab in den Wald!“ Findet leckere Früchte und die innere Ruhe. Beides macht uns gesund und glücklich.

Waldregeln:

  1. Eine Frau geht nie alleine in den Wald!
  2. Lange dunkle Kleidung. Das schützt vor Zecken und Stechmücken.
  3. Durchhalten: Wenn der Boden des Eimers bedeckt ist, ist die schlimmste Hürde geschafft. Danach läuft es wie von selbst.
  4. Pflücken mit dem Schwarzbeerkamm ist erlaubt, wenn man darauf achtet, die Stauden nicht zu verletzen.
  5. Wir sind Gast. Das heißt, wir lassen keinen Müll zurück, verhalten uns still und machen nichts kaputt.
  6. Zuhause angekommen werden alle Klamotten ausgezogen und gewaschen. Es wird sofort geduscht und der ganze Körper auf Zecken untersucht. Meistens sind sie so kurz nach dem Waldbesuch noch auf der Suche nach der besten Stelle und haben sich noch nicht festgebissen. Falls doch, einfach entfernen.

Ich wünsche Dir viel Erfolg und genau soviel Erholung, falls Du jetzt Lust bekommen hast, es auch einmal mit kostenlosem Shopping im Wald zu versuchen.

LG Glitzer

 

 

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