Beitrag für´n Arsch

Mittwochmorgen war es so weit.

Die letzte Rolle Toilettenpapier wurde in unseren Wandhalter gefädelt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt

muss Nachschub besorgt werden. Bei unserem Mehrpersonenhaushalt mit genauso vielen Gästen würde die Papprolle, die als Träger des kostbaren Guts dient, am Abend ebenso nackig wie ihr Vorgänger an der Wand hängen. Das Gefühl in diesen Momenten lässt sich in etwa mit der „Toilettenpapier-Panik“ in Japan 1973 während der Ölkrise vergleichen. Damals machte sich dort das Gerücht breit, dass das Toilettenpapier knapp werden würde. Und weil daraufhin das Volk anfing, hamstermäßig dasselbige zu horten, wurde es? Genau – knapp. Doch das nur am Rande. Zurück zum letzten Mittwoch.

Auf meinen grünen Fingerabdruck bedacht, habe ich grundsätzlich die Einstellung, dass Recyclingtoilettenpapier die einzige vertretbare Variante ist. Aber- ja, wenn nur das Aber nicht wäre. Es ist jetzt schon viele Lenze her, als ich das erste Mal den sicherlich durch nichts zu rechtfertigenden Fauxpas beging, und farbig bedrucktes Toilettenpapier kaufte. Damals, um meine Tochter zu animieren, die Toilette zu benutzen. Also mit etwas Wohlwollen kann man diese Begründung gelten lassen, finde ich. Doch seitdem hat es mich. Ich stelle mir gerade den Stuhlkreis einer Selbsthilfegruppe vor. Ich stehe auf und sage „Ich bin ein rational denkender Mensch mit durchaus ökologischem Gewissen, doch ich stehe auf farbig bedrucktes Toilettenpapier“. So, jetzt ist es raus. Ich gehöre zu den drei Prozent der Verbraucher, die laut einer Studie von 2012 auf Toilettenpapier mit „zusätzlichem Unterhaltungswert“ stehen. Meiner subjektiven Einschätzung nach liegt die Dunkelziffer allerdings viel höher. Ich habe in den vergangenen Jahren ein steigendes Angebot von bedruckten Rollen zur Kenntnis genommen. Zu sämtlichen Festen im Jahreskreis gibt es „limited Editions“. Was mich als  Betroffene immer häufiger in die Situation bringt, standhaft bleiben zu wollen, und es dann doch nicht zu schaffen.

Wie eben auch diesen Mittwoch.

Der Auftrag war ganz einfach. Doch dann gab es da die WM Edition. Mit grünem Spielfeld und den Jahreszahlen und Austragungsländern, in denen die Deutschen Weltmeister wurden. Also sogar mit Wissensvermittlung. Dreimal bin ich daran vorbei, rein in den Einkaufswagen und wieder raus. Ich bin ja noch nicht einmal Fußballfan. Am Ende wurde ein fauler Kompromiss daraus. Eine Packung WM Papier und zwei Recyclingkollegen, um das Corpus Delicti auf dem Kassenband komplett verdecken zu können. Wieder daheim, ließ mich das Thema nicht los und ich machte mich im Netz schlau. Jetzt weiß ich, dass laut veröffentlichten Zahlen von 2016 nur etwa 24 Prozent des in Deutschland verbrauchten Toilettenpapiers Recyclingpapier sind. Da bin ich ja erleichtert. Mit meinen 66% bin ich zumindest nicht unterdurchschnittlich. Dabei geht der Großteil des Recyclingprodukts an Großunternehmen und Kommunen. Der Verbrauch im Privathaushalt geht kontinuierlich zurück.

Bei 18kg Toilettenpapier pro Kopf und Jahr könnte da seitens der Privathaushalte wirklich ein Statement gesetzt werden. Denn bedruckt oder nicht, für die Herstellung des Papiers werden Unmengen Bäume, Energie, Bleichmittel und Wasser benötigt. Und da ist die Bilanz von Recyclingpapier deutlich umweltfreundlicher. In diesem Zusammenhang habe ich gelesen, dass sich aufgrund der Transportkosten und des geringen Warenwertes ein Lieferweg von über 500km nicht rechnet. Da werde ich doch gleich mal nachsehen, wie weit mein WM Toilettenpapier gereist ist. 426km – also gerade noch so im Rahmen.  Das Recyclingpapier allerdings nur genau 200km. Also auch hier hat es in meinem Fall die Nase vorne.

Und jetzt noch ein paar Fakten, um meinem Bildungsauftrag gerecht zu werden. In Deutschland gibt es über 80 Sorten Toilettenpapier, die dauerhaft im Angebot sind. Das Angebot reicht von zwei- bis fünflagig, mit Duft, mit Aloe Vera, mit verschiedenen Prägungen und so weiter. Angeblich sogar mit Werbung, das habe ich aber noch nie irgendwo gesehen. Die Verbraucher lassen sich einteilen in die „Falter“, die „Knüller“, die „Jedesblatteinzelnaufeinanderleger“, und die, die das Papier um die Hand wickeln. Also Sachen gibt´s. Aber jeder wie er will.

Die Verbrauchsmenge lässt sich übrigens verringern, wenn man nur zweilagiges Toilettenpapier anbietet. Denn die meisten von uns nehmen gewohnheitsmäßig immer die gleiche Anzahl an Blättern. Es werden also immer pauschal drei oder vier Blätter abgerissen und dann geknüllt oder gelegt. Was bei vierlagigem Papier sofort die doppelte Papiermenge ergibt.

Die Richtung, in der die Rolle in den Wandhalter geschoben wird, steht für mich allerdings nicht zur Diskussion. Hier fahre ich eine klare Linie. Ein „aus Versehen“ lasse ich hier nicht gelten. Es gibt nur die einzig wahre Variante. Das Rollenende muss nach vorne zeigen! Das muss ich auch korrigieren, wenn ich auf fremden Toiletten unterwegs bin.

Meine Mama hat mir mal erzählt, dass sie als Kind noch die Zeitung in Stücke geschnitten hat. Die wurden dann mit einer Schnur an die Wand gehängt. In gewisser Weise war das ja dann auch mit zusätzlichem Unterhaltungswert. Also ist die Idee nicht wirklich neu.

Da dachte ich mir, das wird ausprobiert. Ist dann 100 Prozent Recycling. Ohne Wiederaufbereitung und Transportwege. Auch das Problem mit der Rollenrichtung hat sich damit erledigt. Die verbrauchte Papiermenge würde sich sicherlich auch auf ein Minimum reduzieren lassen. Um für jeden die Unterhaltung optimal zu gewährleisten, habe ich mich für verschiedene Ausführungen entschieden. Comicrecycling für die Kleinen, die Tageszeitung für meinen Mann, für mich die Werbeprospekte der kommenden Woche und für die Großen Vokabelseiten meines alten Englischschulbuches. Ob die Druckerschwärze wohl abfärbt? Das wird sich herausstellen. Um keinen Familienkrach zu riskieren, werde ich die WM Rolle allerdings in Reichweite hängen lassen. Sicher ist sicher.

Geschnittenes Papier an Schnüren

Angeblich handelt es sich um ein vom Verbraucher wenig beachtetes Produkt. Ich kann das nicht ganz glauben. Schließlich erinnerst du dich doch auch noch an das tolle Restaurant, bei dem alles passte, doch das Toilettenpapier war einfach eine Zumutung. Und erst recht an das Konzert, als da erst gar keines mehr da war. Also mir bleibt sowas schon im Gedächtnis.

Und jetzt denkst du vielleicht das sind Luxusprobleme, um die uns so viele Menschen beneiden und du dir den Beitrag hättest sparen können.

Recht hast du! Aber du kannst nicht behaupten, dass ich dich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zu diesem Beitrag gedrängt habe. Der Hinweis war da!

Ich freue mich auf eine aufregende Woche mit unserem Recyclingprojekt und wünsche dir für Notfälle immer ein Päckchen Taschentücher.

Liebe Grüße und bis nächste Woche, Deine Glitzer

Quelle: Zahlen und Daten in diesem Beitrag stammen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Falls du weiteres Interesse zu Toilettenpapier im Allgemeinen hast, empfehle ich Dir da mal rein zu schauen. Macht wirklich Spaß.

9 Antworten auf “Beitrag für´n Arsch”

  1. Super Beitrag!
    Sehr gut recherchiert und informativ!
    Bei uns war das stille Örtchen bis jetzt eine unterhaltingsfreie Zone, aber seit dieser Woche hab ich auch Lama im Angebot (dank einer Probepackung von meiner Schwester 😉)!
    Ich finde das voll witzig, und da sich mein Mann noch nicht (negativ) dazu geäußert hat, werde ich jetzt öfter auf Abwechslung bei der Papierwahl achten.

    Gefällt 1 Person

  2. Nun ist auch klar, warum ich deinen Blog lese – ich kann (fast) jedes Wort unterstreichen. Ich kauf fast immer Recycling-Papier – aber manchmal geht’s mit mir durch und dann kommt was bedrucktes mit Duft dazwischen. Das schlechte Gewissrn folgt… das Zeitungs- und Werbungsexperiment verzichte ich aber. Ich hätte Bedenken, dass sich dieses Papier schnell genug auflöst und daher den Abfluss verstopft, außer man würde es in nem extra Eimer werfen, aber das würde schnell zum Himmel stinken befürchte ich…

    Gefällt 2 Personen

    1. Das Gefühl, nicht alleine mit meinen kleinen Macken zu sein, tut gut. Danke für Deinen Kommentar.
      An die Möglichkeit mit dem verstopften Abfluss habe ich im Nachhinein auch gedacht. Bisher kam es zum Glück noch zu keinen größeren Zwischenfällen. Das liegt vermutlich an der fehlenden Akzeptanz von Seiten meiner Familie. Ich glaube ich bin mal wieder der Zeit voraus. Heute hat mir meine Mama gesagt, dass sie damals noch ein Plumpsklo hatten. Da ist die Idee mit dem Eimer recht naheliegend.
      Ade und hoffentlich bis bald.
      Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.

      Gefällt 1 Person

    2. Das kenne ich auch sehr gut… Recycling hin oder her.. und das schlechte Gewissen auch. Ich habe gerade alle zu Hause mit dem super Relings WC Papier gequält. Das Graue.. das was eklig nach nassem Zeitungspapier riecht.. und dachte.. meine Güte, das sind Problemchen.. gehts noch.. mph und omg.. aber.. es ist durch nichts zu entschuldigen, aber ich werde heute trotzdem anderes kaufen. Vielleicht finde ich einen Kompromiss, das wär mein Wunsch. 🙂
      Also rosa sollte es schon sein.. 🙂 ( das gibts leider gar nicht mehr).. und auch nur 2 Rollen.. doof , oder ?
      es grüsst dich
      S.

      Gefällt 2 Personen

      1. Ja, dieses graue „Schleifpapier “ kenne ich auch. Geht garnicht. Aber das zweilagige Recyclingpapier ist echt ok. Sieht noch nicht einmal nach Recycling aus. Halte doch mal die Augen auf, gibt’s bestimmt auch bei Euch. Dann kann man mit ruhigerem Gewissen auch mal zur bedruckten Variante greifen. Stimmt, an das Rosane erinnere ich mich auch noch, habe ich aber auch schon lange nicht mehr gesehen. Und zwei Rollen sind ja wirklich nur für das Handtäschchen. Da gebe ich dir Recht.
        LG Glitzer

        Gefällt 1 Person

      2. Hihihihihi,
        habe heute geguckt und ! sogar gefragt.. nee rosa gibts nicht mehr. Aber zitronengelb.. neneee
        2 lagig bedruckt.. guck ich mal morgen .. kicher .. super Thema !
        abendlichen Gruß
        S.

        Gefällt 1 Person

  3. Hallo Glitzer 🙋🏽‍♀️
    bis vergangene Woche hatte ich Lama. Aus gegebenem Anlass haben nun auch wir Fußball.. Du weißt, auch ich fahr total auf bedrucktes Klopapier ab. Mein schlechtes Gewissen versuche ich dadurch zu beruhigen, dass es auf der Toilette im OG und im KG nur Recycling gibt. 2-lagig. Und das ist gar nicht so einfach zu kriegen, denn leider ist auch Recyclingpapier meistens 3-lagig. Ich kenne aber auch Haushalte, da hat die älteste Tochter verboten, bedrucktes Klopapier zu kaufen. Und stell‘ dir vor, nicht mal aus Umweltschutzgründen, sondern weil’s zu albern sei 😂👈🏼🤦🏽‍♀️.
    Ich bin jedenfalls froh, dass uns unsere Kinder buntes Klopapier erlauben und wünsch‘ dir ein schönes Wochenende 😁.
    Deine Flitzer

    Gefällt 1 Person

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