Hurra, wir haben Nachwuchs

Ja, ich bin Oma geworden. Gestern. Geplant, aber doch überraschend. Wie das mit neuen Familienmitgliedern halt so ist. Bei uns zogen gestern nach einigen Wochen des Wartens drei wunderschöne mongolische Rennmausbrüder ein. Doch der Reihe nach.


Eigentlich hab ich’s ja nicht so mit dem Nagegetier. Mit wildem zumindest nicht. (Warum? Meine Erfahrungen dazu sind hier nachzulesen: Mit Speck fängt man Mäuse – manchmal ) Doch nun haben wir bereits die zweite Generation Nager im Esszimmer leben. Hätte mir einer vor fünf Jahren erzählt, dass ich mir freiwillig solche Tierchen ins Haus stelle und sie auch täglich füttern lasse, selber kontrolliere, ob genug Wasser im Napf ist, ich hätte ihn für verrückt erklärt.

Meistens kommt es anders als man denkt

Es fing an, als unser große Tochter am Abendbrottisch erzählte, dass ihre Klassenmäuse bei uns Ferien machen dürften. NIEMAND, absolut kein anderer Schüler könnte die armen Wesen die Sommerferien über bei sich aufnehmen, denn alle würden ja in den Urlaub fahren. Den Einwand, dass auch wir unseren Urlaub bereits gebucht und bezahlt hatten, ließ sie nicht gelten. Denn um unsere eigenen Tiere müsste sich ja ohnehin jemand kümmern, dann käme es ja wohl auf die drei Tierchen auch nicht an. Außerdem hätte sie ja bereits fest zugesagt. So fuhr mein Mann samt meinem Schwager am letzten Schultag vor den Ferien in die Schule und schleppte das gefühlt 70 kg schwere Nagarium aus Glas aus dem dritten Stock ins Auto. Natürlich waren die drei die Attraktion die Ferien über bei uns im Haus. Sämtliche Kinder aus Nachbarschaft und Verwandtschaft kamen, um stundenlang vor dem Glaskasten zu sitzen und den lustigen Tierchen zuzusehen. Auch ich musste gestehen, echt putzig. Und der Pflegeaufwand hielt sich wirklich in Grenzen. Sie machten keinen Dreck, keinen Lärm und stanken nicht. Den einzigen Geruch, den sie von sich gaben, war der von frischem Heu, wenn man ihnen welches gab. Alles ganz easy, dachte ich…. aber es kommt ja immer anders als man denkt. Ich weiß noch ganz genau, es war ein Samstag. So zwischen 18 und 19 Uhr. Beide Töchter kamen tränenüberströmt auf die Terrasse, „Candy“ würde sterben. Sie bewege sich nicht mehr und liege einfach so am Streu. Tatsächlich mussten auch wir feststellen, „Candy“ schaut richtig scheiße aus. Schnelle Atmung, apathischer Blick und struppiges Fell kam zum schlechten Allgemeinzustand hinzu. Die heulenden Töchter bestanden darauf, sofort zum Arzt zu fahren. Doch sind Rennmausärzte hier bei uns am Land nicht so dicht gesät. Uns blieb also nix anderes übrig, als uns auf Dr. Google zu verlassen. Nach längerer Recherche kamen wir zu der Diagnose Erkältung. Wahrscheinlich stand das Nagarium zu nahe am Fenster und durch den regen Besucheransturm, der eine stets geöffnete Zimmertüre mit sich brachte, entstand wahrscheinlich ein Zug. Als Therapie empfahlen erfahrene Mäusehalter, das Tierchen warm zu halten. So kam auch erstmals unser Kirschkerntaschenwärmer zum Einsatz. Wohl temperiert packten wir ihn zwischen das Heu. Mein Mann steckte das Tierchen in einen flauschigen Waschlappen, bis zum Schnäuzchen zugedeckt und verpasste ihm noch eine Herzmassage. Die hat ihm wahrscheinlich das Leben gerettet. Denn am nächsten Morgen hüpfte Candy wieder mit ihren zwei Freunden fröhlich durchs Gehege. Ging grad nochmal gut.

Abschied nehmen ist schwer

Alle waren traurig, als am Ende der Ferien unsere Gäste wieder ins Klassenzimmer zurückziehen mussten. Natürlich musste mein Mann und auch mein Schwager am ersten Schultag pünktlich auf der Arbeit sein, und so war es meine Aufgabe, die Tierchen wieder heim zu bringen. Wäre ja auch kein Problem, denn irgendjemand würde mir schon beim Ausladen helfen, so die pragmatische Meinung meines Gatten. Ich fand auch gleich eine nett aussehende Lehrerin, die ich nach einem fröhlichen „Guten Morgen“ bat, mir doch beim Tragen zu helfen. Ihre Antwort war: „Nein.“ Sie drehte sich um, und spazierte mit ihrer Kaffeetasse ins Lehrerzimmer. Vom Hausmeister kamen die Kinder mit der Nachricht zurück: „Ich habe keine Zeit für die Viecher.“ Ganz prima. Es war jedenfalls sofort klar, das die Mäuse ihre ersten und letzten Ferien bei uns verbracht hatten. Glücklicherweise erklärte sich ein groß gewachsener Junge aus den oberen Klassen bereit, mit mir den brutal schweren Glaskasten in den dritten Stock zu hieven. Da sag mir mal einer, die Jugend hätte keinen Anstand.

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Erst wenn’s nicht mehr da ist, merkt man, dass was fehlt

Die Trauer war groß über den Auszug der lieb gewonnenen Nager. Vor allem die jüngste Tochter brachte die lustigen Gesellen nicht mehr aus dem Kopf. Unsere Jüngste gehört zu der Sorte Kinder, die sich stets versuchen, mit dem geringsten Aufwand irgendwie durchzuschmuggeln. Das böse Wort „Übertritt“ beherrschte unseren Alltag. Angesichts ihres Notenstandes vor den Weihnachtsferien setzten wir als Prämie ein paar Rennmäuse aus, sollte es doch irgendwie klappen. Alle Gespräche, Appelle, Drohungen und Motivationen liefen bis dahin ins Leere, und ich war mir ziemlich sicher, dass wir uns da keine Sorgen machen müssten. Aber siehe da, plötzlich war man so ganz ohne erkennbaren Mehraufwand in jedem Fach innerhalb weniger Monate um zwei Noten besser. Madame schaffte plötzlich einen Notendurchschnitt mit ordentlich Puffer nach oben, der für’s angestrebte Schulziel nicht mal nötig gewesen wäre. Versprochen ist versprochen. So zogen wenige Wochen später Hubert und Alfred bei uns ein. Die Begeisterung blieb und die beiden ersetzten an vielen Tagen und Abenden den Fernseher.

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Ein endgültiger Abschied ist noch schwerer

Hubert war nach einigen Jahren der Erste, der verstarb. (Hier habe ich dir schon davon erzählt   Mit Speck fängt man Mäuse – manchmal ) Und nun erreichte uns schließlich im Sommerurlaub die Nachricht unseres Sohnes, der zur Hütung von Haus und Zoo zu Hause geblieben war, dass nun leider auch Alfred gestorben ist. Er hat ihn unter der Trauerbirke neben Hubert in einer Amazon-Bücherverpackung begraben. Die Trauer war erneut riesengroß. Die letzendliche Todesursache kennen wir nicht. Es gab weder eine Obduktion, noch ein toxikologisches Gutachten.

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Kein Lebewesen ist ersetzbar

Nach einigen Tagen war allen klar, dass ein belebtes Nagarium trotzdem schöner ist, als ein Leeres. So nahmen wir Kontakt mit der Mäusezüchterin unseres Vertrauens auf. Sie konnte uns gottseidank berichten, dass erst vor wenigen Tagen Mäusebabys auf die Welt gekommen sind. Doch müssten wir uns noch einige Wochen gedulden, denn sie bräuchten ja noch die Mutter, außerdem müsse sie das Geschlecht ganz sicher erkennen. Als etwa-Termin nannte sie uns Mitte Oktober. Doch gestern war es dann ganz plötzlich soweit, der lange ersehnte Anruf, dass wir sie abholen können. Wir hatten die Wahl zwischen zwei Mädchen oder drei Jungen. Sicherheitshalber entschieden wir uns für die drei Jungen. Und sie sind sooooo süß und sooooo Baby.

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Allem Anfang wohnt ein Zauber inne

Ich denke, es gefällt ihnen bei uns. Sie sind zwar noch sehr verwirrt und unruhig, aber das ist nur nachvollziehbar. Ich stelle mir das so vor, wie wenn ich aus einem zehn-Personen-Stockbettenzimmer plötzlich in ein schmuckes Einfamilienwohnhaus mit Parklandschaft ziehen würde. Ich könnte mein Glück wahrscheinlich über mehrere Wochen nicht fassen und wüsste mich nicht zu orientieren. Auch ich würde mich in der ersten Nacht nicht ins 3 x 3 Meter große Boxspringbett mit meterdicker Federdecke kuscheln, sondern in der Küche am Boden neben dem Herd schlafen. Wahrscheinlich würde ich gar nicht schlafen, denn ich hätte Angst, dass der Traum am nächsten Morgen vorbei wäre. Ich denke auch, dass ein großer Schritt getan ist, wenn die drei ihren Namen haben. Denn angesichts des plötzlichen Einzugs, und weil wir das Geschlecht ja noch nicht wussten, haben wir noch keine Namen. Aber die Überlegungen laufen auf Hochtouren und Vorschläge werden gerne angenommen.

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Ich wünsch‘ dir ein tolles Wochenende, nutze das miese Wetter, um dich wieder mit deinem Sofa anzufreunden. Ich muss los… Neues Streu kaufen.

Alles Liebe,

Flitzer 🙂

10 Antworten auf “Hurra, wir haben Nachwuchs”

  1. Ach wie lieb!!! 😍 Ich muss sie auch unbedingt bald besuchen. Rudi ist mein Namensvorschlag. Wenn ich schon keinen Sohn mit dem Namen habe, dann wenigstens eine Verwandtschaftsmaus. Bis bald!

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    1. Ich danke dir herzlich. Habe sie gerade mal wieder eine Fernsehfilmlängr beobachtet. Ich denke, heute schlafen sie dann in ihrem Bett, man kann ihre Freude wahrlich sehen. Besuch stecken die mittlerweile locker weg 😁

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