Über Geduld und sattgrünen Rasen

Ich stelle jetzt einfach mal die Behauptung auf, dass ich zu den seeehr geduldigen Menschen gehöre. Ich bin tolerant, verständnisvoll, und ich weiß, wann es sich lohnt, sich aufzuregen. Ja, ich bin sicher, einige Menschen werden nun mit den Augen rollen 🙄 , und wieder andere reagieren mit einem dezenten „choooohhh“. Doch wissen all die Leute ja gar nicht, was ich alles durchmachen musste, BEVOR mir der Geduldsfaden doch mal reißen sollte. Sowas ist ja immer eine Momentaufnahme. Und da finde ich die Beurteilung der Situation, und der damit verbundenen Reaktion, nicht immer gerecht. Auch stelle ich diese Behauptung auf, da ich ziemlich sicher bin, dass meine Mama diesen Beitrag nicht lesen wird 😬. Welche Situation mich in der vergangenen Woche BEINAHE dazu gebracht hat meine Geduld zu verlieren, will ich dir erzählen.

Es war eine laue Sommernacht. Ich fuhr mit meinem Fahrrad abends um zehn nach Hause. Nicht sehr schnell, denn es roch nach Sommer. Die Sonne war gerade noch so am Horizont zu erahnen. Es war noch sehr angenehm warm, ich fror sogar in kurzer Hose und barfuß trotz des Fahrtwindes nicht. Und ich friere sehr schnell, wenn es dunkel ist.

Zeit meines Lebens liebe ich das Zirpen der Grillen

Ich war erstaunt, wie viele der Tierchen denn rings um uns rum die Nacht zum Tag machen. Landleben eben. In jedem Garten war mindestens ein Grillenquartier zu hören. Ich erinnerte mich gerne an die Zeit, in der ich als Kind in Omas Garten die Grillen mit einem von Samen befreiten Grashalm aus ihren Löchern lockte. Blitzschnell musste ich dann einen Becher darüber stülpen. Am besten einen durchsichtigen, um auch ganz genau beurteilen zu können, ob es nun ein Mädchen oder ein Bub war.

Die idealen Gegenstände, um erfolgreich Grillen zu fangen
Die idealen Gegenstände, um erfolgreich Grillen zu fangen 😁

Wahrscheinlich ist sowohl meine nahezu unendliche Geduld, als auch mein enormes und blitzschnelles Reaktionsvermögen das Resultat aus dieser Zeit. Nur so nebenbei. Ich fuhr weiter gemütlich durch die Straßen, freute mich auf eine warme Gartendusche, auf ein voller Sommerduft stehendes Schlafzimmer, durch das ein leichter Hauch Sommernachtluft huscht, und in dem mich dann die Grillen in den Schlaf singen könnten.

Abrupt wurde ich aus meinen Gedankengängen gerissen,

als ich in unsere Straße einbog. Denn urplötzlich wurde das freundliche Zirpen durch ein aggressives „TSCHTWSCHTSCHTSCHTSCH“ ersetzt. Ebenso blitzschnell, wie ich damals Grillen fangen konnte, erkannte ich augenblicklich, es war ein Rasensprenger. In Nachbars Garten. In dem, genau gegenüber unseres Schlafzimmerfensters. Sofort war mir klar, nicht einmal ALLE Grillen im Ort könnten dieses Geräusch überzirpen. Wütend über die plötzliche und ungewollte Änderung des noch verbleibenden Abends, informierte ich mich im großen Internet erstmal, ob das denn erlaubt ist. Um diese Uhrzeit. Es war schließlich nach 22:00 Uhr. Ernüchtert stellte ich fest:

Es ist erlaubt.

Auch wenn es sich um einen Intervallrasensprenger (so heißt das doofe Ding nämlich) handelt, der dermaßen laute Geräusche von sich gibt und ganzen Straßenzügen den Schlaf rauben kann. Doch selbst wenn es nicht erlaubt wäre, es hätte mich kein Stück weiter gebracht. Denn nieeeemals würde ich mich als hysterische Nachbarin präsentieren, die sich über einen Rasensprenger echauffiert. Denn ich bin ja geduldig ☺️.

Frischer Rasen bekommt natürlich auch bei mir Wasser
Frischer Rasen bekommt natürlich auch bei mir Wasser

Im Bett angekommen, das Fenster weit geöffnet, versuchte ich, mich voll und ganz auf die Grillen zu konzentrieren. Aber keine Chance.“TSCHTWSCHTSCHTSCHTSCH“ wenn er in die eine Richtung fährt und TSCHRRRRRRRRRRRRR“ auf dem Rückweg. Ich dachte mir: Okay, okay, okay, es ist weder eine viel befahrene ICE-Strecke, noch eine Autobahn, es ist ein Rasensprenger. Ich kramte all meine Fantasie aus den hintersten Ecken hervor, versuchte mir vorzustellen, im siebten Stock eines Hochhauses in der Großstadt zu wohnen und mich über die Ruhe zu freuen. War auch nix. Ich hab‘ da noch nie gewohnt, und ich sehe ja nicht fern. Wie soll ich’s mir auch vorstellen können.

Mein nächster Plan war, mich doch einfach in die rasensprengenden Menschen hinein zu versetzen. (Stichwörter Toleranz und Verständnis und so 🙄) Auch ich habe in den vergangenen Wochen meinen frisch angesäten Rasen gegossen. (Warum ich den neu angesät habe, kannst du hier nachlesen, wenn du Lust hast: Es sind Ferien. Super. ) Aber doch nicht mit einem Intervallrasensprenger!!! Ich habe schließlich noch andere Nachbarn, die ich ziemlich gut leiden kann. Ich habe den nur mit einem sanften, lautlosen Schwenksprenger bewässert, damit die Saat aufgeht. Soviel Zysternenwasser wird das Fleckchen nieee mehr in seinem ganzen Rasenleben zu sehen und zu spüren kriegen.

dernachbarschaftfreundliche Rasensprenger
So sieht er aus. Der nachbarschaftfreundliche Rasensprenger

Aber ich gebe doch zu, es ist schön anzusehen, an Häusern vorbei zu fahren, vor denen samtweiche, sattgrüne, und immer in gleicher Länge sprießende Grashalme liegen. Und sehr wohl bemerke ich die stets etwas neidischen Blicke meines Gatten, denn schöner Rasen gefällt ihm gut. Es gibt nicht viele davon bei uns im Ort, und ich habe dann doch immer ein wenig Mitleid mit den Leuten, die neben diesen Grundstücken wohnen.

Unser Rasen gehört jedenfalls weder in die Kategorie „Wembley“, „Sport“ oder „Spiel“. Ich würde ihn eher der Sparte „Wiese“ zuordnen. Oder „Erde mit Gras“. Und das finde ich auch durchaus in Ordnung.

Ganz eindeutig: Kategorie Erde mit Gras
Ganz eindeutig: Kategorie Erde mit Gras 🙈

Ich sehe keinen Sinn darin, nächtelang hektolieterweise das Wasser über’s Grundstück zu pusten, nur um wöchentlich einmal mehr mit dem Rasenmäher darüber zu heizen. Noch dazu wenn ihn kein Mensch sehen kann. Dazu mag ich außerdem meine Nachbarn zu gern. Also nix war’s mit dem Verständnis gegenüber der Rasengießer.

Die nächste Option war, meinen Mann zu wecken und ihn zu fragen, wie er denn die Situation sieht. Seine Antwort fiel nicht ganz so freundlich aus. Schlaftrunken fragte er mich, ob ich denn noch ganz bei Trost sei. Noch nieee im Leben hätte er diesen Rasensprenger wahr genommen 🤦🏽‍♀️. Okay, dann lag es wohl doch ganz eindeutig an mir. Ich zog mir das Kissen über den Kopf und konzentrierte mich auf die Grillen.

Gerade wollte ich dann doch endlich einschlummern, als ich unsanft an der Schulter gerissen wurde. Ein wütender und aufgebrachter Mann saß neben mir im Bett und warf mir in nicht sooo sehr sanftem Ton an den Kopf, dass ich nun Schuld sei, dass er sein restliches Leben lang ständig und immer diesen dämlichen Rasensprenger hören würde. Zwangsläufig stellte sich mir die Frage: Bin’s nun ich, oder der Sprenger 🤷🏽‍♀️ ?

Wie der Abend endete, will ich dir auch erzählen. Wir holten uns eine Flasche Wein, machten es uns auf der Terrasse hinter dem Haus gemütlich und warteten, bis der Rasensprenger Feierabend hatte. Dort, wo die Grillen wohnen. Denn ich bin ja geduldig ☺️

Ich wünsch‘ dir und mir noch ganz viele laue Sommernächte (werde aber jedenfalls vorsichtshalber ’ne Ersatzkiste Wein kaufen) und ein ruhiges Wochenende 😁.

Und vielleicht gehe ich diese Tage mal wieder Grillen fangen.

Deine Flitzer

 

Sag‘ doch mal… bist du geduldig? Oder versteht mich jemand🤭?

Gott gebe mir
Zu Zeiten, in denen ich noch manchmal ungeduldig war, bekam ich von meinem Papa diesen Spruch zu hören. Und wie so oft – er hatte Recht!

 

 

2 Antworten auf “Über Geduld und sattgrünen Rasen”

  1. Mein Mann hat mir gerade erzählt:
    Eine gemeinsame Freundin wusste nach dem ersten Satz, dass der Beitrag nicht von mir sein kann. Und Recht hat sie. Geduld ist wirklich nicht meine Stärke. Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Abend bei uns nicht so harmonisch zu Ende gegangen wäre. Hut ab vor dieser Leistung im Fach Selbstbeherrschung. Gerne komme ich in den nächsten Tagen zur Gartensprengerstunde bei Dir vorbei, um dich mit nem Gläschen Sekt abzulenken.
    Hoffentlich bis bald, Deine Glitzer

    Gefällt 1 Person

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