detox frei interpretiert

Während ich mit meiner Base telefoniere, esse ich noch die restlichen Chips vom Vorabend aus der Schale und spüle sie mit dem abgestandenen Spezinagla runter. (Martina Schwarzmann definiert Nagla folgendermaßen: „Das, was in Köln ein Bier ist, das ist in Bayern ein Nagla.“) Insider wissen, dass ich seit einiger Zeit besonders darauf achte, das Fassungsvermögen meiner Spülmaschine maximal auszunutzen. Aber das nur als schwache Ausrede für meine morgendliche Entgleisung. Gesundes Frühstück sieht anders aus, aber das ist mir von ganzem Herzen egal. Während um mich herum das „Gute Vorsätze Drama“ ausgebrochen ist, habe ich kein schlechtes Gewissen. Zumindest was Ernährung und Sport angeht, mache ich mir da keine Illusionen mehr. Ich bin schwach. Wahrlich nicht in dem Sinn schwach wie ein 3 mm dünnes Holzbrett, sondern im Durchhalten von guten Vorsätzen.

„Du machst wohl protox.“

kommt es lachend aus dem Telefon. Protox ist die Gegenbewegung zu detox erklärt sie mir. Seitdem einer ihrer Freunde das im letzten Jahr gemacht hat, ist er Raucher und stark übergewichtig. Ich muss lachen und kann´s gar nicht glauben. Ich hab das noch nie gehört und lasse mir erklären, was man darunter versteht. Sie sagt mir, dass das wohl ganz typisch für den Januar ist. Hatte man früher gute Vorsätze, die man über kurz oder lang verwarf, macht man heute detox. Das Gute daran ist, dass du diesen Begriff  für so ziemlich alles gebrauchen kannst. Sobald du auf irgend etwas verzichtest, kannst du es mit diesem Begriff schmücken, um hip zu wirken. Zuckerdetox, Alkoholdetox oder Digitaldetox. Die Liste ließe sich wie immer bei solchen Trends endlos fortsetzen. Und damit lässt sich Geld machen. Ich hab mal ein bisschen gegoogelt und festgestellt, dass ich, was dieses Thema betrifft, wohl hinterm Mond lebe. Es gibt doch tatsächlich Hotels, die mit Digitaldetox werben. Für mich unverständlich, warum ich in ein teures Hotel muss, um mein Handy zur Seite zu legen. Von Diätprogrammen diesbezüglich ganz zu schweigen. Den letzten großen Diättrend, den ich mitgemacht hatte, war die Trennkost. Damit wäre ich jetzt anscheinend alles andere als hip.

Wir telefonieren noch eine ganze Weile und diskutieren die Absurditäten der guten Vorsätze, gerade im Januar. Weshalb sollte man nach all der Völlerei von Weihnachten und Neujahrsempfängen auf die ganzen Leckereien verzichten? Von hundert auf null innerhalb von Sekunden führt doch zwangsläufig zu Schleudertrauma. Spätfolgen nicht abschätzbar. Ganz zu schweigen von den Restbeständen an Plätzchen und Alkohol, die am Ende noch verderben würden. Wäre doch schade drum.

Detox

war 2011 der Name einer Kampagne von Greenpeace gegen Giftstoffe in Bekleidung. Darauf werde ich jetzt allerdings nicht weiter eingehen, da es mit meinen heutigen Gedanken außer der Namensgebung nichts zu tun hat.

Der Begriff detox ist gesetzlich nicht geschützt, weshalb ich dafür auch keine eindeutige Definition gefunden habe. Der Grundgedanke ist, sich und seinem Körper durch ungesundes Verhalten etwas Gutes zu tun. Am nächsten kommt der Gedanke noch dem Begriff des Heilfastens, doch auch dieser Vergleich hinkt enorm. Heilfasten sollte immer unter Aufsicht eines Arztes durchgeführt werden und dient dazu, den Körper zu entgiften. Nachdem sich detox oft nur auf einzelne Lebensbereiche oder Lebensmittel bezieht, ist es so etwas wie halbherziges Heilfasten. Ich bitte alle Detoxanhänger nicht sauer auf mich zu sein, wenn ich mein neu erworbenes Wissen frei interpretiere. Es ist immer gut, gesünder zu leben, mehr frisches Obst und Gemüse zu essen, und und und. Was ich allerdings nicht nachvollziehen kann, ist das Verlangen von Menschen, für solche Verhaltensumstellungen viel Geld auszugeben.

Es gibt doch tatsächlich „Kochbücher“ für Detoxwasser. Darin stehen Rezepte von mit Obst und Gemüse angereichertem Wasser. Hallo? Das hatten wir schon vor Jahrzehnten. Wasser, ein paar Scheiben Gurken, Orangen- oder Apfelstückchen rein und fertig. Dafür brauch ich kein Rezeptbuch.

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Trotzdem lasse ich mich auf dieses Experiment ein und habe nach langem Hin und Her entschieden, Haushaltsdetox zu betreiben. Spätestens bis in drei Stunden, denn so lange wird es dauern, bis das super Sparprogramm meiner Spülmaschine zu Ende ist.

Dir wünsche ich viel Spaß und Erfolg mit all Deinen guten Vorsätzen für das kommende Jahr.

Liebe Grüße, Glitzer

4 Antworten auf “detox frei interpretiert”

  1. Hi Glitzer 🙂
    Auch ich bin derzeit auf der Suche nach einer gesünderen Ernährung. Nicht wegen der Gewichtsreduktion, denn schließlich hat man sich jedes Pfund qualvoll angefuttert, von den immensen Kosten ganz zu schweigen. Nein, ich hoffe, dadurch meinem Magen einen kleinen Gefallen zu tun. Jedenfalls informiere ich mich derzeit über Trennkost. Dieser Ernährungstheorie nach sollen ja die Nährstoffe nicht gleichzeitig verarbeitet werden können. Ich bin jedenfalls schon soweit im Thema, dass ich sagen kann: Bier -> Kohlehydrate, Sekt -> Eiweiß, Gin -> neutral. Mal sehen, was daraus wird 😉
    Liebe Grüße,
    Flitzer

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    1. Sieht aus, als hättest du die wichtigsten Grundlagen schon verinnerlicht. Da kann nicht mehr viel schief gehen. Trotzdem hoffe ich, dass du kleine Ausnahmen machen wirst. Käsefondue ohne Brot liegt auch ziemlich schwer im Magen. Aber ich glaub wenn Du Fleisch rein tunkst geht’s. Ich bin sicher Du kriegst das hin.
      LG Glitzer

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  2. Ich betreibe schon seit geraumer Zeit „Vorsatz-Detoxing“, mit beachtlichem Erfolg.
    Früher, als man noch nicht hip sein musste, hätte man wohl gesagt:
    „Ick nehm ma jar nüscht vor!“
    Wie auch immer, es hilft. Und zwar jedes Jahr aufs Neue. Tut gut.

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