Schön war die Zeit

Heute gibt’s Boxer.. kennst du nicht? Dann bist du wahrscheinlich um einiges jünger als ich… Nein, ich meine keinen Mann mit blutigen, eingeschwollenen Augen. Und nein, es gibt auch kein sabberndes, treu blickendes Hündchen. Paß auf …

Richtig, genau. Es gibt Semmel mit eingequetschtem Schokokuss. Schokokuss, um den politisch korrekten Begriff zu verwenden. Bei uns hieß der früher anders, aber nun ist es halt ein Schokokuss… kann ich mit leben. Erinnerst du dich?

Hier kommt das Rezept:

Original sind Boxer mit Schmalzwecken. Aber ich mag Kaisersemmeln lieber und verwende deshalb diese. Erst schneidet man die Semmel (bei uns gibt’s weder Schrippen noch Brötchen) auf. Ganz auf. Denn der Deckel muss abgehoben werden. Sowohl vom Boden als auch aus dem Deckel kann man nun den Teig auspuhlen, zu einem Miniknödel formen und sofort verspeisen. Wenn man mag. Anschließend kommt ein Schokokuss auf die untere Hälfte. Deckel vorsichtig drauflegen und jetzt kommt’s: den Deckel dann mit einem kräftigen Klaps (der Schwung muss aus dem Handgelenk kommen) in Richtung Boden bringen. Fertig ist ein mehr oder weniger nahrhafter, aber sehr leckerer Snack.

schokokuss in semmel

Auch wenn ich für so Süßkram im Normalfall nicht so zu haben bin (ich weiß, ich wiederhole mich), ab und zu muss so ein Boxer. Ist auch jedes mal der Renner auf den von Eltern liebevoll zubereiteten Buffets an Schulfesten. Eine willkommene Alternative zu Pizzaschnecken in mindestens 17 verschiedenen Variationen.

Zurück in die Kindheit

Mit jedem Bissen erinnere ich mich an ein anderes Stück meiner Kindheit. In ihr muss wohl auch die Ursache für meine Vorliebe für Zartbitterschokolade liegen. Mir wurde es mal so erklärt, dass in jeder Familie ein Zartbitterfan herangezogen werden sollte. Zartbitter mag ja sonst niemand und zum Wegwerfen ist sie dann doch zu schade. Schon immer bekam ich von meinen Geschwistern die Zartbitterteile aus den Schokoladenmischpackungen gönnerhaft zugeschoben. Und das ist noch heute so. Landet versehentlich eine Zartbitterversion bei meinen Geschwistern oder meiner Mama, irgendwann zieht sie zu mir um. Ähnlich war es mit Lakritze 😋. Erklärt mir nun auch, warum ich wohl zartherbes Pils anderen Biersorten vorziehe.

Zartbitterschokolade

Aber auch ich kam nicht zu kurz 😉

Doch musste ich natürlich nicht ausschließlich ungewollte Reste verwerten, auch ich bekam mal Leckeres. Ich erinnere mich noch an einige Süßigkeiten in meiner Kindheit. Nie leiden konnte ich die ekligen Schleckmuscheln. Die aus weißem Plastik mit ekligem, bunten Zuckerklumpen und grusligem, nicht zu identifizierendem Aroma. Am schlimmsten waren die Grünen 😖. Auch die Zuckerketten und -uhren konnte ich nie leiden. Immer hatte ich eine riesige Angst, mir die Zähne auszubeißen…(schon damals hatte ich Panik…   Das schwarze Loch der Zahnärzte.. ) und die Gummischnur war immer klitschnass. Ekelhaft. Am Schlimmsten aber waren aber die Wunderkugeln. Weißt du noch? Eine weiße, ich habe sie tennisballgroß in Erinnerung, von der man dann lagenweise die Zuckerschichten ablecken musste, um an die darunter liegende Farbschicht zu gelangen. Die musste man kaufen, denn die anderen hatten sie ja auch.

Die Reise ins Schlaraffenland

Fruchtkaramellen

Sicher wäre mein Geld in anderen Zahnfeinden besser investiert gewesen. Da fallen mir spontan die Fruchtkaramellen ein. Bei uns heißen die aber noch heute Pfennigbonbons. Trotz Währungsreform. Und obwohl für einen Pfennig wahrscheinlich noch nie einer zu haben war. Rollo mit dem Karamellkern in der Zartbitterhülle war auch sehr lecker. Oder die Erdbeeren und Schlümpfe, von denen man eine Stunde nach dem Genuss auch noch was hatte. Saure Zungen, Brauseufos und Brausestäbchen, gehörten immer in meine Süßigkeitentüten, die von der Bäckersfrau geduldig aus den großen transparenten Süßigkeitenboxen nach Wunsch zusammengestellt wurden. Und da waren noch die Kirschlutscher, von denen man lagenweise das angeschnullte Papier von Stiel rollen konnte.

Brause über Brause

Und plötzlich war’s vorbei

Keine Ahnung, wann meine Vorliebe für Süßes im Laufe des Lebens verloren gegangen ist. Ich mag auch keinen Kuchen 🤷🏽‍♀️. Es muss jedenfalls kein einschneidendes Erlebnis gewesen sein, denn ich kann mich nicht daran erinnern. Ich bin jedenfalls nicht böse darüber und kann sehr gut damit leben. Auch habe ich absolut keine Probleme, den Rest auf dem Kalorienkonto anderweitig zu verprassen. (Bei der gestrigen Einladung zum Kaffeetrinken fand ich zu meiner sehr großen Freude in der Küche der #Gastgeberin eine übrige Pizzasemmel vom Vorabend. War seeehr, sehr lecker 😋. Danke 😘) Nicht nein sagen kann ich übrigens, wenn jemand mit einer geräucherten Bratwurst vor mir rum läuft. Auch gegen ein gutes Stück Käse kann ich nichts einwenden. Denn will man seine Figur halten, muss man auch mal essen, wenn man grad keinen Hunger hat.

In diesem Sinne, ein schönes Wochenende und lass es dir gut gehen

#flitzer 😬

6 Antworten auf “Schön war die Zeit”

  1. Schöner Beitrag! Jetzt hab ich direkt ne Heißhungerattacke auf Süßigkeiten bekommen, aber leider nicht viel im Haus 🤣 mein Favorit ist auch heute noch magic gum…knisterkauen 😋

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  2. 🍭🍬🍫
    Hallöchen,
    Ich kann heute noch Süßigkeiten in rauen Mengen essen 😋, leider!!
    Würde gerne mal wieder wie früher mit 1 € (damals 1 DM) zum Bäckerladen gehen und mir ausgewählte Spezialitäten, wie z.B. weiße Mäuse oder süßen Speck kaufen 😍.
    Das waren noch unbeschwerte Zeiten. Da waren nicht Zucker oder Kilos das Problem sondern nur die Frage was man am Schluss noch in die Tüte packen lässt damit man genau auf den Betrag kommt um nicht noch 5 Pfennige übrig zu haben!
    Grüßi, 🐰

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  3. Ja, was hatten wir für ein Glück! Eine Kindheit, bei der Kohlenhydrate, im speziellen Zucker, noch zu einer ausgewogenen Ernährung gehörten. Boxer als Pausenbrot und Limonade als Durstlöscher. Bis die Mitglieder des damaligen Elternbeirates der Grundschule dem ansässigen Bäcker verboten hatten Boxer im Pausenverkauf anzubieten. Das war der Anfang vom Ende einer unbeschwerten Pausenbrotkultur. Danke für das Erinnern an die Wunderkugeln. Sonst wäre ich fast der Meinung „Früher war alles besser“. Aber so muss ich diese Pauschalisierung doch relativieren.
    LG Glitzer

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  4. Bitte für die Pizzasemmel und danke für die Resteverwertung!

    Bei uns auf der Arbeit bringt hin und wieder irgendeiner ne Tüte Semmeln mit und eine Pachung Schokoküsse. Und dann gibt’s Boxer!! Sooo lecker 😋
    Die letzten gab’s von meiner Kollegin MG (ich nenne sie oft Maschinengewehr).

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