Ungeplant Spaß?!

Auch wenn es manchmal nicht nach meinem Plan läuft,

kommt es vor, dass am Ende des Tages doch alles gut ist. Das liegt daran, dass ich in unserer Familiendemokratie als eher strukturierter Planungsmensch in der absoluten Minderheit bin. Nicht immer zu meiner Freude, aber doch zugegebenermaßen zu meinem Glück.

Gestern zum Beispiel hatte ich einen perfekten Plan.

Es war mir aufgrund von Gleitzeit und eines flexiblen Kollegiums möglich, früher als normalerweise auf die Arbeit zu gehen. Was gleichzeitig bedeutete, dass ich den Nachmittag für mich haben würde. Dachte ich. Als ich rechtzeitig heim kam, um meiner hungrigen Meute noch einen Apfelstrudel in den Backofen zu schieben, schien alles nach Plan zu laufen. Zu unserer Freude konnten alle meine Schulkinder gute Nachrichten vermelden. Getragen von der positiven Stimmung schaffte es auch unser Hähnchen im Korb sich ambitioniert an die Hausaufgaben zu setzen. Und wie alle Kinder dieser Welt vergessen auch unsere nie ein Versprechen. Sie vergessen die Zähne zu putzen, den Müll raus zu tragen, aber nicht, was einmal versprochen wurde. Bei uns war es die Aussicht auf einen Schwimmbadbesuch, sollte denn einmal der Tag kommen, an dem alle eine Belohnung verdient und wir auch noch Zeit dafür haben würden. Und wumms, kaum wartest ein paar Monate, schon ist es so weit. Und tatsächlich, auf die Schnelle fiel mir kein plausibler Grund ein, warum wir nicht fahren sollten. Außer natürlich die Hausarbeit, mein geplantes Abendessen und dass ich ja sowas von keine Lust auf den Quatsch hatte. Aber wie gesagt, Demokratie ist ein hohes Gut und notgedrungen gibt es auch immer Verlierer. Dieses Mal war´s eben ich.

Und da passierte es. Ich traute meinen Augen kaum. Von Vorfreude gedopt flogen meine Kinder regelrecht in den Keller, um die Badesachen zu holen. Sogar Taucherbrillen und co. landeten zielsicher in den Taschen. Zehn Minuten später, und ich betone ZEHN Minuten, weil es das noch nie gab, saß meine komplette Familie startklar im Auto. Mit Mützen, Jacken und Schuhen. Das klingt selbstverständlich? Nein, ist es nicht. Wir waren auch schon mal am Ziel eines Ausflugs angelangt und unsere Kleinste hatte keine Schuhe an. Das war aber zugegebenermaßen im Sommer.

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Im Schwimmbad erfuhren wir, dass es eine Familienkarte gibt, die sage und schreibe für zwei Erwachsene und ein ganzes Kind gilt. Armes Deutschland. Das erklärt vermutlich auch, weshalb der überwiegende Teil der Badegäste Pärchen oder Besucher aus dem angrenzenden Saunabereich waren. Das allerdings war ein Riesenvorteil für uns.

Das Wellenbad, den Strömungskanal und die Rutsche hatten wir fast für uns alleine und so konnten wir uns austoben.

Im Wellenbad tauchten wir unsere Schätze ungehindert hoch, denn wir „täten in Spiel Meerjungfrauen sein, die wunderschön sind“. Da war ich erst zögerlich, dann aber mit vollem Einsatz dabei. Und fühlte mich auch gleich ganz grazil und wie gesagt wunderschön. Das darauf folgende Wettschwimmen im Strömungskanal war für mich ein voller Erfolg. Dazu muss ich dir erklären, wie so ein Kanal funktioniert, falls du noch nie in  einem warst. Also da befinden sich auf der Seite Düsen, aus denen mit hohem Druck jede Menge Wasser gepresst wird. Und wenn man sich geschickt durch den Kanal manövriert (ich brauchte zwei Runden um die Ideallinie zu finden) kann man den vollen Schwung mitnehmen. Da war ich natürlich im Gegensatz zu meinen recht zierlich gebauten Kindern klar im Vorteil. Denn hier zählte der größtmögliche Widerstand, und den hatte eindeutig ich. Während sich meine Kids mit großem Kraftaufwand durch die Wassermassen kraulten, brauchte ich mich nur treiben zu lassen. Es war mir eine wahre Freude, meine Familie winkend zu überrunden.

Dritte Disziplin: Rutschen! Ich stellte mich gleich als Begrüßungskomitee am Rutschenauslauf zur Verfügung. Mein Mann übernahm das Rutschen mit unserem Nesthäkchen, der Rest startete alleine. Es war überaus amüsant, von unten zuzusehen, da die Rutsche nach unten hin transparent war. Einer nach dem anderen landete überglücklich bei mir im Auslaufbecken und ich konnte ihnen Tipps geben, wie sie schneller werden könnten. Ich war nämlich immer eine sehr gute Rutscherin. Ich hatte alle Tricks drauf. Auf den Knöcheln, größtmögliche Körperspannung und den schwungvollen Start von oben natürlich nicht vergessen. Mit meinen Coachingversuchen wurden alle zusehends schneller. Eine richtige Freude, da zuzusehen, bis es mich selbst nicht mehr hielt. Auf Anweisung blieb meine ganze Bande im Auslauf und sah mir zu, wie die Meisterin herself das machte. Ich legte einen Sprint hin, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hatte. Der Start war vorbildlich und die Beschleunigung sagenhaft. Auch hier kamen mir meine Proportionen zugute. Da meine Pobacken nur halb vom Badeanzug bedeckt waren, glitt ich fast ohne Widerstand über die glatte Oberfläche der Rutsche. Der Aufprall im Becken war dementsprechend beeindruckend. Das Chlorwasser strömte mir durch die Nasenlöcher bis ins Gehirn. Es war ekelhaft. Aber mir nichts anmerken lassend stieg ich unter den Blicken meiner Fans wie eine Nymphe aus dem Becken. „So, habt ihr gesehen, wie Mama das macht?“ Brav nickend machten sie sich wieder auf den Weg nach oben. Ich blieb vorsichtshalber unten. Einmal Nasenspülung war genug für diesen Tag. Unser Nesthäkchen wollte mit ihren fünf Jahren jetzt auch alleine rutschen und stieg unter Aufsicht der Großen selbst die Treppe hoch. Mein Mann blieb bei mir. Und jetzt kam es. Die Kleine warf sich beim Start gekonnt auf die Rutsche – und blieb liegen. Sie hat einen dieser Bikinis mit Beinen, das heißt, das Ding rutscht nicht wirklich. Wir konnten von unten sehen, mit wie viel Kraftaufwand sie sich immer wieder anschob, um einen halben Meter weiter trotzdem liegen zu bleiben. Sie machte sich lang, hatte super Körperspannung, doch das half alles nichts. So robbte sie sich durch die gesamte Länge der Rutsche. Es war eine Riesenschau. Auf der Treppe froren sich ihre Geschwister halb tot, weil sie so lange warten mussten und unten lachten sich ihre Eltern schlapp. Es war einfach zu komisch. Nach ewig langer Zeit hüpfte sie übers ganze Gesicht grinsend in das Auslaufbecken und war nicht zu halten, da sie gleich nochmal rutschen wollte. Da wurde mir bewusst, wie subjektiv Erfolg sein kann. Warum war es wichtig, wie schnell ich die Rutsche runter komme? Die Kleine hatte mindestens so viel Spaß wie ich und noch dazu kein Wasser in der Nase. Aus dem Augenwinkel konnte ich noch sehen, dass meine Große beim Rutschen die Bikinihose zwischen die Pobacken gezogen hatte und damit eine wahnsinnige Geschwindigkeit bekam. Sie ist offensichtlich bereits in der Leistungsgesellschaft angekommen, hatte aber mächtig  Spaß damit.

Erschöpft und hungrig wollten wir uns im Schwimmbadbistro ein Abendessen holen, doch das hat aus Mangel an Gästen nur am Wochenende und an Sonn- und Feiertagen geöffnet. Vielleicht sollten sich Städte und Gemeinden im Allgemeinen mal überlegen, ob günstigere Eintrittspreise die Besucherzahlen nicht erhöhen würden und damit alle ihren Vorteil daraus ziehen könnten.

Ich hatte gestern einen sehr schönen Tag und freue mich darüber, dass nicht immer alles nach meinem Plan läuft. Viel Freude wäre mir durch die Lappen gegangen. Ich nehme mir vor, mich in Zukunft öfter überreden zu lassen, etwas zu tun, wozu ich erst mal keine Lust habe. Wer weiß, was ich dadurch alles erleben darf.

Ich wünsche dir einen schönen Tag und die Gelegenheit, etwas zu tun, das du nicht geplant hast.

Deine Glitzer

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